Es gibt viele gute Gründe, die Internetverbindung zu verschlüsseln. Dies betrifft nicht nur diejenigen, die im Schatten der Anonymität illegale Geschäfte über das Netz abwickeln. Auch Privatleute und Unternehmen legen heute viel Wert darauf, dass ihre Daten beim Surfen im Netz nicht abgefangen und missbraucht werden können.

Ein Virtual Private Network, kurz VPN, bietet Ihnen eine einfache Möglichkeit zur Sicherung des Datenverkehrs. Es leitet den Datenverkehr durch einen sogenannten VPN-Tunnel und schützt vor unbefugtem Zugriff. Wenn Sie eine Webseite aufrufen, senden Sie die Anfrage zunächst an das VPN. Von dort geht die Anfrage unter der IP-Adresse des jeweiligen Anbieters in das Internet und zur Zielseite. Lediglich die Verbindung zwischen Ihrem Rechner und dem VPN lässt Rückschlüsse über Ihre Surfaktivitäten zu. Damit dies nicht passiert, erfolgt der Kontakt über einen verschlüsselten VPN-Tunnel, der Sie vor dem Missbrauch Ihrer Daten schützt.

PPTP macht die Konfiguration eines VPN-Tunnels besonders einfach

Um ein VPN zu nutzen, müssen Sie sich zunächst für einen Anbieter entscheiden. Von diesem erhalten Sie die Zugangsdaten zum Server, über den Sie anonym ins Internet gehen. Einige Dienstleister bieten eine spezielle Software an, die auf Ihrem Rechner installiert wird und die Verbindung für Sie herstellt. In allen anderen Fällen richten Sie die Verbindung unter Linux über die Konsole ein. Dies wird im Folgenden am Beispiel eines VPN-Tunnels über PPTP für Debian-Distributionen erklärt. Der Vorteil von PPTP gegenüber Lösungen wie OpenVPN ist die einfache Einrichtung, da das PPTP-Protokoll auf dem Internet Protocol aufsetzt.

  1. 1. In einem ersten Schritt sollten Sie prüfen, ob PPTP bereits installiert ist.
    Gegebenenfalls können Sie es mit dem folgenden Befehl in der Konsole nachinstallieren:

    sudo apt-get install pptp-linux
    
  2. 2. Anschließend muss das PPP_MPPE-Modul laden. MPPE ist ein von Microsoft entwickelte Verschlüsselungsprotokoll, das die Sicherheit des VPN-Tunnels gewährleistet.
    In der Konsole geben Sie Folgendes ein:

    modprobe ppp_mppe
    
  3. 3. Nun speichern Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort für die Verbindung in der Datei „chaps-secrets“.
    Diese befindet sich im Ordner /etc/ppp /. Um die Datei zu öffnen, starten Sie einen Texteditor als Root-User, hier im Beispiel des Texteditors gedit, der auch in der Standardinstallation von Ubuntu enthalten ist.

    sudo gedit /etc/ppp/chaps-secrets
    

    In der nun geöffneten Datei geben Sie die Informationen des VPN-Anbieters ein. Folgende Angaben benötigen Sie:

    $DOMAIN
    $BENUTZERNAME
    $PASSWORT

    Diese Daten geben Sie in der folgenden Form in einer Zeile ein:

    $DOMAIN\$USERNAME PPTP $PASSWORD *
    
  4. 4. Legen Sie die Konfigurationsdatei für den Client an.
    Abgelegt wird die Konfigurationsdatei unter einem beliebigen Namen im Ordner /etc/ppp/peers/. Öffnen Sie hierfür zunächst einen Texteditor und geben Sie die nachfolgenden Zeilen ein. Hierfür benötigen Sie folgende Informationen:

    $SERVER
    $DOMAIN
    $BENUTZERNAME
    $TUNNEL

    Geben Sie diese Informationen in der folgenden Form im Editor ein:

    pty „pptp $SERVER –nolaunchpppd“
    name $DOMAIN\$USERNAME
    remotename PPTP
    require-mppe-128
    file /etc/ppp/options.pptp
    ipparam $TUNNEL

    Anschließend speichern Sie diese Datei unter dem Namen des VPN-Tunnels ab. Nutzen Sie dazu am besten die Angabe des VPN-Providers für $TUNNEL.

  5. 5. Der VPN-Tunnel ist nun konfiguriert.
    Jetzt muss er gestartet werden: Dies erreichen Sie mit folgendem Befehl, den Sie in der Konsole eingeben:

    pon $TUNNEL
    

    Auch hier ist $TUNNEL die Variable für den Namen des eben eingerichteten VPN-Tunnels, also der Dateiname, unter dem Sie die vorherigen Angaben gespeichert haben.

    Um den Tunnel zu stoppen, nutzen Sie diesen Befehl:

    poff $TUNNEL
    

Einen VPN-Tunnel via PPTP über den Networkmanager einrichten

Neue Linux-Distributionen liefern im Networkmanager zusätzlich eine grafische Benutzeroberfläche zur Einrichtung eines VPN-Tunnels mit. Diese erreichen Sie über einen Klick auf das Netzwerksymbol im Panel. Dort wählen Sie „VPN-Verbindungen“ -> „VPN konfigurieren…“. Es öffnet sich ein Dialog, in dem Sie auf „Hinzufügen“ klicken und anschließend aus einer Liste verschiedene VPN-Protokolle auswählen können. Sofern das Paket pptp-linux installiert ist, sollte hier der Eintrag „PPTP“ auftauchen. Diesen wählen Sie aus und können anschließend die Angaben Ihres VPN-Anbieters eintragen und die Verbindung speichern.

Sie haben Fragen oder Anregungen zum Thema: VPN-Tunnel unter Linux installieren? Schicken Sie uns einen Kommentar. Wir freuen uns über Ihr Feedback.

Übersicht der Serie:
Schützen Sie Ihre Privatsphäre im Internet mit VPN und Proxy
Sicher & privat surfen – VPN-Tunnel mit Windows 10 einrichten
VPN ohne Drittanbieter – wie Sie eine sichere Verbindung vom Smartphone zum Intranet einrichten
VPN-Tunnel unter Linux (Debian & Ubuntu) installieren

Bildnachweis: Fotolia, Lizenz: Host Europe

Wolf-Dieter Fiege

Wolf-Dieter Fiege ist Senior Specialist für Content Marketing & SEO und Chefredakteur des Blogs der Host Europe GmbH, einem der größten Anbieter von Domain- und Webhosting sowie Serverprodukten in Europa.

3 thoughts on “VPN-Tunnel unter Linux (Debian & Ubuntu) installieren

  1. OMG. PPTP ist seit Jahren leicht zu entschlüsseln. Es gilt in der gesamten Branche als unsicher und wird faktisch nicht mehr benutzt.
    Aus Sicherheitsgründen kann man niemandem PPTP empfehlen.
    OpenVPN

    • Hallo, das ist natürlich richtig. PPTP ist das einfachere Protokoll, deshalb habe ich das vorgezogen – OpenVPN ist dagegen sicherer als PPTP. Ein Beitrag zu OpenVPN habe ich bereits auf meiner Liste. Dennoch, vielen Dank für den Hinweis. Mit besten Grüßen Wolf-Dieter Fiege

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