Wenn Sie eine neue Webseite erstellen wollen oder den Relaunch einer bestehenden Webseite planen, sollten Sie unbedingt Usability-Tests, d.h. Tests der Informationsarchitektur, durchführen, bevor die Webseite live geht. Mit einem Usability-Test können Sie feststellen, ob die Webseite so funktioniert, wie Sie sich das vorstellen und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt. Vielleicht haben Sie sich schon mal dem Thema Website-Testing beschäftigt. Doch wie führt man einen Usability-Test durch? In diesem Leitfaden werde ich Ihnen die Grundlagen vorstellen und zeigen, wie Sie die besten Ergebnisse aus einem Usability-Test gewinnen können?
 

Was versteht man unter der Informationsarchitektur einer Webseite?

Die Informationsarchitektur einer Webseite entscheidet darüber, wie gut Kunden und Interessenten mit Ihrer Webseite zurechtkommen. Die entscheiden Fragen sind: Wie bewegen sich Besucher auf Ihrer Seite? Funktionieren die Navigationswege? Machen Besucher wirklich das, was sie sollen? Sind die Inhalte und Unterteilungen der Inhalte richtig? Ist die Seite gebrauchstauglich gestaltet?

Je besser Sie diese Punkte mit Ihren Usability-Tests analysieren, desto besser kann Ihre Webseite sein. Und das bedeutet vor allem eins: glücklichere Besucher und Kunden.
 

Tipp 1 – Rekapitulieren Sie die Ergebnisse Ihrer Usability-Tests

Ein Test der Informationsarchitektur liefert Ihnen interessante Einblicke, wie Besucher durch Ihre Webseite navigieren, was sie beabsichtigen, was sie fühlen und welche Erfahrungen sie mit Ihrer Seite machen.

Denken Sie immer daran: Das Ziel dieser Tests sollte sein, dass Sie am Ende über brauchbare Daten verfügen, die über eine Sammlung persönlicher Präferenzen, ein Bauchgefühl oder allgemeine Gefühle hinausgehen. Nur so können Sie das Design und den Aufbau Ihrer Webseite effizient optimieren.

Im Allgemeinen werden Sie Tests Ihrer Informationsarchitektur dazu verwenden, um das bestmögliche Navigationssystem für Ihre Seite zu erstellen und um Bestellprozesse so zu gestalten, dass Benutzer nicht aussteigen oder verwirrt werden. In der Regel verwenden Sie für die Tests die Methode des Card-Sorting (Die Sortierung von Karten) und Entscheidungsbäume.

Rekapitulieren Sie regelmäßig die Ergebnisse und versuchen Sie typische Muster, Fehlerquellen und Optimierungsmöglichkeiten zu entdecken. Entwickeln Sie auf dieser Basis Wireframes und Mockups, die Sie später für ein Website-Design nutzen können, das potenzielle Nutzer nicht verwirrt, sondern möglichst genau deren intuitivem Verhalten entspricht.
 

Tipp 2 – Vermeiden Sie Fallstricke bei Usability-Tests

Es wird oft gesagt, dass die Durchführung dieser Tests besser ist, als wenn Sie überhaupt keine Prüfung Ihrer Webseite vornehmen. Doch Vorsicht! Das muss nicht immer der Fall sein. Usability-Tests führen Sie nicht immer in die richtige Richtung. Ein schlecht durchgeführter Test, der irreführende Ergebnisse liefert, kann Sie im schlimmsten Fall dazu bringen, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Sie tun sollten.

Bei einem Usability-Test gibt es Fallstricke, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Im Folgenden stelle ich Ihnen einige typische Fehler vor, die bei einem Test der Informationsarchitektur von Webseiten gemacht werden. Achten Sie bei Ihren Tests darauf, dass Sie folgende Fehler vermeiden:
 

  • Überspringen Sie keine Usability-Testphase

    Um Zeit zu sparen, kann es sehr verlockend erscheinen, wenn Sie direkt zur Wireframe oder Mockup-Phase springen und damit Ihre Tests beginnen. Das Überspringen initialer Usability-Tests, die idealerweise der Wireframe- bzw. Mockup-Phase vorausgehen sollte, kann sich am Ende aber als kontraproduktiv erweisen.

    Erstes Ziel der initialen Usability-Tests sollte es sein, mögliche Strukturen zu finden, die sich aus dem intuitiven Verhalten Ihrer Besucher ergeben. Auf deren Basis sollten Sie dann idealerweise erste Entwürfe für Ihre Informationsarchitektur entwickeln.

    Durch das Überspringen dieser ersten Testphase wird Ihr Design-Prozess zwar nicht unbedingt behindert. Dieses Vorgehen kann aber im späteren Verlauf zu einigen wirklich ineffizienten Usability-Tests führen. Wie das? Ganz einfach: Wenn Sie First-Click-Tests mit einem fertigen Mockup durchführen, erhalten Sie keine Antworten auf so wichtige Fragen wie z.B.: „Wo würden Sie das Produkt X suchen? bzw.: „Wo erwarten, dass Sie das Produkt/die Information finden?“

    Wie Sie sehen, kann Ihnen ein initialer Usability-Test eine äußerst hilfreiche Vorstellung davon geben, wie Ihre Mockups und Wireframes aussehen sollten.

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  • Vernachlässigen Sie nicht die die Erwartungshaltungen Ihrer Benutzer

    Ihrer Benutzer mit ihren ganz konkreten Erwartungen sollten im Mittelpunkt aller Usability-Tests stehen. Aber manchmal bekommen sie nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

    Zum Beispiel dann, wenn Sie zuerst einen Testplan entwickeln und erste danach entscheiden, welche Themen Sie überprüfen wollen. Dieses Vorgehen kann dazu führen, dass Sie mit Ihren Tests beginnen, ohne eine klare Vorstellung von der Richtung zu haben. Sofern Sie über das Budget und die Ressourcen verfügen, sollten Sie potenzielle Nutzer immer über das befragen, was sie ganz speziell von der zu analysierenden Webseite erwarten. Sollte Ihr Budget nicht so weit reichen, behelfen Sie sich zumindest mit einer Online-Umfrage.

    Mit Hilfe der gesammelten Informationen können Sie anschließend Benutzerpersönlichkeiten (Personas) definieren und auf dieser Grundlage konkrete Anforderungsprofile für Ihre Website-Gestaltung entwickeln. So werden Sie in der Lage sein, Ihre Webseite noch besser auf das Verhalten potenzieller Benutzer zuzuschneiden.

    Hier finden Sie weitere Informationen zum Konzept der Personas

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  • Beschränken Sie nicht die Optionen Ihrer Testpersonen

    Kartensortierung und Entscheidungsbäume sind eine hervorragende Möglichkeit, um die Präferenzen Ihrer Testpersonen zu testen. Aber vorgefertigte Karten und Entscheidungsbäume können die Entscheidungsmöglichkeiten Ihrer Probanden unter Umständen so verengen, dass wichtige Aspekte gar nicht zur Sprache kommen. Schließlich können die Testpersonen nur so viele Karten bearbeiten, wie zur Verfügung stehen.

    Das führt zu zwei entscheidenden Frage:

    • Ist die Website-Struktur, die sich am Ende des Tests ergibt nur gut, oder ist es die bestmögliche?
    • Stimmt die Website-Struktur wirklich mit dem intuitiven Verhalten der Testpersonen überein oder ist sie nur eine logische Abfolge der zur Verfügung stehenden Optionen?

Was können Sie tun?
 

Tipp 3 – Öffnen Sie das Verfahren beim Test Ihrer initialen Informationsarchitektur

Optimieren Sie den Aufbau Ihrer Tests. Wenn Sie ausschließlich geschlossene Sortierungen benutzen, zwingen Sie Ihre Versuchspersonen unter Umständen dazu, Klassifikationen zu verwenden, denen sie im Grunde gar nicht zustimmen.

  1. Stellen Sie sicher, dass Sie sowohl offene als auch geschlossene Kartensortierungen verwenden. Offene Kartensortierung ermöglicht es Ihren Testpersonen, eigene Kategorienamen zu wählen. Das liefert Ihnen unter Umständen wichtige Informationen darüber, wie Ihre Testpersonen Artikel klassifizieren, sodass Sie eine deutlichere Vorstellung davon bekommen, wie Sie Ihre Navigation aufbauen sollten.
  2. Eine zweite Möglichkeit, die Sie ausprobieren können, ist die modifizierte Delphi-Methode. Bei dieser Methode handelt es sich um ein mehrstufiges Befragungsverfahren. Auf der ersten Stufe können Sie zum Beispiel mit einer Standard-Open-Card-Sortierung beginnen. Anschließend erlauben Sie Ihren Probanden, den Test zu ändern. Die Versuchspersonen können nun alles tun, was sie wollen, z.B. die Karten oder Kategorien umbenennen oder verschieben. Sie können sogar die gesamte Struktur umschmeißen und wieder von vorne anfangen. Dieser Vorgang geht so lange weiter, bis Ihre Testpersonen zu einem Stand kommen, bei dem nur noch geringfügige Änderungen vorgenommen werden müssen.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Delphi-Methode

Durch die Eröffnung Ihrer initialen Usability-Tests reduzieren Sie das Risiko, in der nächsten Phase des Prozesses mit suboptimalen Ergebnissen weiterarbeiten zu müssen.
 

Tipp 4 – Überprüfen Sie Ihre Tests mit Entscheidungsbäumen

Sie haben Kartensortierungstests durchgeführt und Ihre Testpersonen haben daraus eine Navigationsstruktur entwickelt? Sehr gut, das ist ein erster wichtiger Schritt. Aber es bedeutet nicht, dass Sie schon bereit sind und mit der Erstellung von Wireframes beginnen können.

Kartensortierungstests sind eine sehr gute Möglichkeit, um eine potenzielle Navigationsstruktur zu entwickeln, aber diese Struktur wird Ihren Versuchspersonen in einer künstlichen Form präsentiert. In der Regel sehen Ihre Probanden alle möglichen Optionen auf einmal. Besucher einer Webseite dagegen werden in der Regel mit einer zusammengeklappten Navigation konfrontiert.

Was im Test wie eine logische Struktur erscheint, da alle Informationen verfügbar sind, kann zu einem Problem werden, wenn einige dieser Informationen weggenommen werden.

Überprüfen Sie deshalb die Ergebnisse Ihrer Entscheidungsbaum-Tests mit Hilfe von Reverse Card Sorting. So können Sie Ihre Informationsarchitektur Schritt für Schritt weiter optimieren.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Methode des Reverse Card Sorting

 

Tipp 5 – Achten Sie auf die richtige Anzahl an Versuchspersonen

Wie viele Personen sollten an einem Usability-Test beteiligt sein? Die optimale Anzahl an Probanden sind 15 Personen. Diese sollten allerdings ziemlich genau Ihrer späteren Zielgruppe entsprechen, damit der Test auch wirklich aussagefähig ist.

Wenn Sie mit deutlich weniger als 15 Testpersonen arbeiten, werden Sie wahrscheinlich keine nützlichen Ergebnisse erhalten. Wenn Sie mit mehr als 15 Versuchspersonen arbeiten, werden Sie deutlich mehr Ressourcen und ein höheres Budget für die Tests benötigen, was sich wahrscheinlich als deutlich unrentabler erweist. Sollte es sich um sehr große Projekte handelt und Sie über ein ausreichend großes Test-Budget verfügen, können Sie Usability-Tests auch mit bis zu 30 Teilnehmer durchführen.

 

Tipp 6 – Überzeugen Sie Ihre Kunden mit Fakten

Vielleicht kennen Sie die Situation. Sie haben gründliche Usability-Test durchgeführt und Sie sind sicher, dass Sie die Ansichten der potenziellen Nutzer richtig verstanden haben. Auf der Basis dieser Ergebnisse haben Sie Ihre Wireframes und Mockups entwickelt. Doch Ihre Kunden haben eine andere Ansicht und glauben, dass ihre Ideen besser sind.

Was können Sie tun?

Anstatt Ihren Kunden einfach nur die Endergebnisse Ihrer Tests zu präsentieren, sollten Sie ihnen den Prozess zeigen, der Sie zu Ihren Schlussfolgerung geführt hat – und zwar so detailliert wie möglich. Eine gute Methode dafür sind Video-Aufzeichnungen. Sie erfordern zwar etwas mehr Arbeit, dafür überwiegen aber eindeutig die Vorteile. Ihre Probanden können z.B. erklären, was ihrer Meinung nach funktioniert und was nicht, warum sie bestimmte Entscheidungen so und nicht anders getroffen haben etc.

Ihre Kunden werden so besser und schneller verstehen, wie ihre potenziellen Website-Nutzer handeln und welche Überlegungen Sie zu Ihren Design-Entscheidungen geführt haben.

 

Fazit

Obwohl es so etwas wie einen perfekten Test der Informationsarchitektur einer Webseite nicht gibt, können Ihnen diese Tipps helfen, Ihre Usability-Tests Schritt für Schritt besser zu machen. Auf diese Weise werden Sie in der Lage sein, Wireframes und Mockups zu entwickeln, die noch genauer den Wünschen und dem intuitiven Verhalten Ihrer Zielgruppe entsprechen.
 

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Usability-Tests gemacht? Wenn ja, welche? Schicken Sie uns einen Kommentar. Wir sind gespannt auf Ihr Feedback.

Wolf-Dieter Fiege

Wolf-Dieter Fiege ist Senior Specialist für Content Marketing & SEO und Chefredakteur des Blogs der Host Europe GmbH, einem der größten Anbieter von Domain- und Webhosting sowie Serverprodukten in Europa.

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