Mit fast einer Milliarde Menschen weltweit und mehr als 30 Millionen Nutzern monatlich in Deutschland ist WhatsApp der größte Messaging-Dienst weltweit und gleichzeitig das meist genutzte Social Network. Fast 40 Prozent aller Einwohner versenden also Textnachrichten, Bilder, Links und Standorte via WhatsApp. Damit ist WhatsApp die meistgenutzte App der Deutschen, dicht gefolgt von Facebook und Google Maps. Bei der hohen Marktdurchdringung liegt die Frage nahe, wie auch Unternehmen den Kanal das Marketing nutzen können.

Messenger eignen sich ideal für eine One-to-One-Kommunikation mit Kunden. Sind aber nicht nur darauf beschränkt. Gruppenchats machen One-to-Many- und Many-to-Many-Unterhaltungen möglich, welche durch Bilder, Videos, Sprachnotizen und vieles anderes ergänzt werden können. Mehrere Studien zeigen, dass mobile Messenger alters- und geschlechtsübergreifend immer beliebter werden. Sogar die über 50-Jährigen „whatsappen“ immer mehr, ganz gleich, ob es sich dabei um Frauen oder Männer handelt. In Deutschland nutzen noch nicht viele Unternehmen die Potenziale von Messenger Apps. Sie bieten also eine der wenigen verbliebenen Chancen für First-Mover-Vorteile im Social Media Marketing.

Interessant ja, aber…

Das Problem: Grundsätzlich ist WhatsApp nur für die private Nutzung gedacht. Die AGB lassen hier eigentlich keine Zweifel. Der Messenger ist bislang werbefrei. Genau deswegen wird der Dienst auch geschätzt. Doch zunehmend mehr Unternehmen, insbesondere Medienanbieter, eröffnen einen WhatsApp-Channel. So kann WhatsApp als Service-Kanal, zum Beispiel im Kundendienst, für Newsletter oder zur direkten Kommunikation mit Kunden, aber auch Mitarbeitern, genutzt werden. Vor allem ist es die Unmittelbarkeit, die WhatsApp so interessant für die Kundenkommunikation macht.

WhatsApp ist vielseitig

Media-Expertin Anke Francovich von der Agentur „pilot“ erklärt in der Acquisa-Ausgabe 08/10/15: „Da sich die digitalen Reichweiten aktuell immer massiver von Desktop auf Mobile verschieben und Messaging-Dienste mittlerweile auch in den geschäftlichen Alltag Einzug halten, sollten die meisten Unternehmen ebenfalls dort präsent sein: Als einer der ersten Anbieter genießt man dort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Nutzer und kann sich auf der Plattform positionieren, bevor Mitbewerber nachziehen.“ Vor allem vier Bereiche seien dabei interessant: Die Content-Bereitstellung, die allerdings einen wirklichen Mehrwert bieten muss; die Kommunikation in einer besonders intimen Art; den Kundenservice, wo sich Informationen zeit- und ortsunabhängig bereitstellen lassen. So können Händler durch den Messaging-Dienst Nachrichten und Angebote gezielt an eine vorher definierte und interessierte Zielgruppe weiterleiten und Social Media, wodurch der Inhalt einer Produktseite per Klick auf den Button gezielt an ausgewählte Kontakte und Gruppen weitergeleitet werden kann – noch intimer als bei Facebook. Der Erfolg des chinesischen Pendants WeChat verspreche einiges: Dort hat sich der Messaging-Dienst nicht nur für die Unternehmenskommunikation, sondern auch als Vertriebs- und Bezahlkanal etabliert.

Vor allem wird WhatsApp als Newsletter-Tool von diversen Medienhäusern genutzt – ganz gleich, ob Breaking, Gaming oder Sport News. Einige Anbieter verschicken beispielsweise auch eine Nachricht, wenn es einen neuen Blogartikel zu lesen gibt oder News auf der Webseite. Wichtig: Die Informationen müssen interessant sein und dürfen nicht in Werbung oder SPAM umschlagen.

WhatsApp-Nutzungsmöglichkeiten für Unternehmen:

  • Kundenservice
  • Newsletter-Versand über WhatsApp bzw. Broadcast-Funktion, zum Beispiel für Medienunternehmen, die ihre Nachrichten versenden
  • Sharing-Button für Inhalte
  • Gruppenchat zur (internen) Kommunikation
  • Telefonie über WhatsApp als kostenfreie Alternative

WhatsApp nutzen oder WhatsApp als Unternehmen nicht nutzen?

Wie schon gesagt, beschränkt sich die Nutzung des Dienstes per AGB auf den nicht kommerziellen Einsatz. Jedenfalls bislang. „Dem Messenger gehört die Zukunft!“ – so lautete eine aktuelle Aussage von Mark Zuckerberg auf dem letzten Facebook Summit G8. Auch auf der DLD 2016 deutete WhatsApp-Founder Jan Koum an, dass WhatsApp spätestens 2017 Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen bereitstellt. Dafür soll der Messaging-Dienst offenbar verstärkt auf Werbeeinnahmen setzen, indem Unternehmen über ihn mit Kunden kommunizieren können. So will WhatsApp Tools und Angebote entwickeln, mit denen etwa Fluglinien und Banken effizient und sicher mit ihren Kunden in Kontakt treten können. Auch Franz Buchenberger, Geschäftsführer des noch letzten bestehenden Abo-Dienstes WhatsBroadcoast ist sich sicher, dass es in Zukunft Features für Unternehmen geben wird. Im Vergleich zu den von WhatsApp nicht mehr geduldeten Anbietern, nutzt WhatsBroadcoast die von WhatsApp zur Verfügung gestellte Schnittstelle für seinen Service.

Allerdings wird es wohl noch etwas dauern, die einzelnen Dienste im Facebook-Portfolio zu positionieren. Denn: Neben WhatsApp gibt es noch den Facebook Messenger. Und für diesen hat Facebook im Frühjahr mit Business on Messenger eine Lösung vorgestellt, die die Business-Szenarien abdecken kann. Zudem stehen Publishern über die Facebook-Plattform viele Wege zur Verfügung, kostenfrei – aber auch gegen Medialeistung – Reichweite für die eigenen Meldungen zu schaffen. Über die Messenger-Plattform können Entwickler ihre eigenen Anwendungen in den Messenger integrieren. Sinnvoll, vor allem, weil der Facebook Messenger als einzelne App inzwischen über 900 Millionen aktive Nutzer hat und somit auch enorm viel Potenzial und Reichweite bietet. Über 40 Apps sind direkt für Nutzer verfügbar.

Erfolgreiche WhatsApp-Praxisbeispiele

Es gibt mittlerweile einige Beispiele dafür, wie Medien und Unternehmen WhatsApp als Informationskanal nutzen: Wie auch im klassischen Marketing ist die Kommunikation über den Mobile Messenger One-to-One, One-to-Many oder auch Many-to-Many möglich.

Sheraton Hotel

Das Sheraton Airport Hotel war das erste Hotel, das WhatsApp zum Kundenservice eingesetzt hat.

Bistum Essen

Auch das Bistum Essen hat das Potenzial des Messenger-Service erkannt und begeistert mit einer modernen Kreativ-Kampagne. Wer sich rechtzeitig für die Aktion angemeldet hatte, wurde von Palmsonntag bis Ostermontag die gesamte Ostergeschichte via WhatsApp erzählt.

N-TV

Der Nachrichtensender n-tv nutzt seit März den Instant-Messaging-Dienst als Push-Service. Interessierte Nutzer, die sich auf dem Formular mit ihrer Handynummer eintragen, werden fortan mit Breaking News direkt auf ihrem Smartphone versorgt.

Weitere erfolgreiche WhatsApp-Beispiele

Diverse Tourismusdestinationen, wie zum Beispiel Kitzbühel, bieten touristische Beratung (Anfragen, Veranstaltungstipps, …)

Zalando bietet eine Styleberatung via WhatsApp:

100’5 DAS HITRADIO bietet WhatsApp an, um Blitzer und Staus zu melden.

Das Magazin t3n informiert per WhatsApp über neue Artikel.

Aber auch kleinere Unternehmen, wie die Fleischerei Stroh, gehen im Marketing einen etwas anderen Weg. Über das Kontaktformular können sich die Kunden für den WhatsApp-Newsletter eintragen. Per WhatsApp erhalten die Kunden dann das jeweilige Wochenangebot.

((Kasten))

Vorteile von WhatsApp Newslettern

  • Hohe Öffnungsraten durch Push-Notifications
  • Nachrichten werden schnell gelesen
  • Nachrichten können per Broadcast-Liste an mehrere Empfänger gleichzeitig verteilt werden

Nachteile von WhatsApp Newslettern

  • WhatsApp-Marketing nicht vorgesehen: Technologie ist derzeit nicht auf Newsletter auslegt
  • Nummern, die Marketing-Messages versenden, können derzeit noch gesperrt werden
  • Einmal gesperrte Nummern können nicht mehr genutzt werden
  • Bei Sperrung verfällt das gesamte Adressbuch, alle Kontakte müssen neu abonnieren
  • Begrenzte Listengröße, ev. müssen mehrere Telefonnummern genutzt werden
  • Derzeit kein detailliertes Tracking oder Reporting möglich

Fazit zum Thema: Messaging als Marketingkanal

Vor Ideen scheinen die Unternehmen nur so zu sprühen, was die Nutzung von WhatsApp angeht. Dabei ist der Einsatz des Messaging-Dienstes vor allem dort sinnvoll, wo eine mobile Zielgruppe persönlich angesprochen werden soll. Das sorgt für eine langfristige Kundenbindung und mehr Verkäufe. Denn die Empfänger eines WhatsApp-Newsletters kann man zu den treuesten Bestandskunden zählen. Wer einem Unternehmen seine Telefonnummer anvertraut, der ist von ihm begeistert und wird auch kaufen.

Ob dem WhatsApp Messenger wirklich die Zukunft gehört, wird sich zeigen. Jeder, der aktuell in den Kanal investiert, tut dies mit unsicherem Ausgang. Der First-Mover-Vorteil ist allerdings groß. Wenn es erst einmal ein Business-Modell von WhatsApp gibt, werden auf einen Schlag viele darauf aufspringen und die Konkurrenz deutlich größer.

Quellen:

Sie haben Fragen oder Anregungen zum Thema Messaging als Marketingkanal? Schicken Sie uns einen Kommentar. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bildnachweis: Fotolia, Lizenz: Host Europe

Jana Behr

Jana Behr ist IT-Fachredakteurin, PR-Beraterin sowie Bloggerin aus Köln und beschäftigt sich leidenschaftlich gern mit allen Themen rund um IT, Telekommunikation und Digitalisierung.

5 thoughts on “WhatsAppen Sie schon oder mailen Sie noch? Wie Sie Messaging als Marketingkanal nutzen können

  1. Bin der selben Meinung aber whatsapp ist viel effektiver als alles andere..mailen ist einfacher als früh und noch kostenlos..danke whatsapp

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