Typische Content-Management-Systeme (CMS) kombinieren die Schichten zur Erstellung (Backend) und Darstellung (Frontend) von Inhalten miteinander. Anwender fügen einer Website Content in Form von Text, Bildern und Videos hinzu. Programmierkenntnisse und Wissen über die Datenspeicherung in der Datenbank brauchen Sie nicht. Die Datenpflege erfolgt über eine leicht bedienbare Oberfläche im Backend, und das System stellt die Inhalte automatisch im Frontend dar.

Klassische CMS erfüllen ihre Aufgabe sehr gut, wenn Sie diese zur Content-Verwaltung einer einzelnen Website verwenden. WordPress, das bei mehr als 30 Prozent aller im Internet erreichbaren Websites zum Einsatz kommt, ist dafür das beste Beispiel.

Headless CMS: ein Backend für zahlreiche Zielmedien

Wenn Sie jedoch mehrere Apps und Websites gleichzeitig mit Inhalten füllen möchten, müssten Sie beim klassischen Ansatz mit einer größeren Anzahl an CMS arbeiten. Hier kommt das Headless CMS ins Spiel:

Ein Headless CMS bietet nur die Schicht zur Erstellung von Inhalten und ist von der Darstellung entkoppelt. Es kümmert sich nicht um Aspekte wie Templates, Seitenstruktur und Design. Daher werden die von der Darstellung entkoppelten Inhalte als „pur“ angesehen.

Frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“ liegt der Fokus komplett auf dem Backend und der Inhaltsverwaltung, der Abbildung von Workflows sowie den Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Organisation von Inhalten in Taxonomien.

In der Folge erstellen Sie mit einem Headless CMS die Inhalte zentral und können diese an beliebig viele Medien ausgeben. Die gespeicherten Inhalte werden unabhängig von der Verwendung vorgehalten, Backend und Frontend sind nicht mehr miteinander verknüpft. Durch den Wegfall des Frontends ist diese Form eines Content-Management-Systems sozusagen „kopflos“, dadurch ergeben sich flexible Möglichkeiten zur Content-Verwertung.

Die REST-API dient als Kommunikationsschnittstelle zwischen Headless CMS und den Frontends

Beim Headless CMS erfolgt die Datenverwaltung über das Backend und die Speicherung in einer Datenbank. Der externe Datenzugriff findet über eine REST-API statt. Das reaktive CMS wartet auf Anfragen von außen und gibt daraufhin den Content zurück. Für eine Website, App, VR-Anwendung, Smartwatch oder ein beliebiges anderes Ausgabemedium werden die gewünschten Inhalte per API abgefragt. Dafür kommen die HTTP-Anfragemethoden GET, PUT, POST und DELETE zum Einsatz. Auf diese Weise sind der Abruf, die Veränderung und das Löschen von Inhalten möglich.

Headless CMS: Die Vorteile

  • Fokus auf den Inhalt: Content-Entwickler konzentrieren sich 100-prozentig auf den Inhalt. Die Komplexität ist geringer.
  • Flexible Ausgabe: Die Content-Ausgabe kann flexibel über verschiedene und beliebig viele Medien erfolgen.
  • Plattformunabhängig: Das Headless CMS ist nicht an eine Plattform gekoppelt. Es stellt die Daten per REST-API zur Verfügung.
  • Freie Wahl der Programmiersprache: Die verwendete Programmiersprache des Headless CMS spielt keine Rolle. Die bereitgestellte REST-API kann mit einer beliebigen Sprache benutzt werden.
  • Freiheit für Designer: Frontend-Entwickler sind nicht an ein bestimmtes CMS oder eine Programmiersprache gebunden. Sie sind deutlich freier in der Darstellung der Inhalte und können Frontend-Frameworks wie Angular, React oder Vue verwenden.
  • Unterstützung von JAMstack: der Entwicklung mit JavaScript, APIs und TML-M
  • Ideal für das Multi-Channel-Marketing: Jedes Gerät und jeder Kanal können mit Inhalten gefüttert werden.
  • Dynamische Abfragen sind möglich: Inhalte können zum Beispiel für eine Website nachgeladen werden, ohne die Website neu zu laden.

Übersicht der Top 5 Open Source Headless CMS

Headless Content-Management-Systeme liegen im Trend, das Angebot wächst. Das folgende Ranking der besten Open Source Headless CMS erfolgt anhand der vergebenen GitHub-Sterne:

1. Ghost

Abbildung - Das Ghost CMS eignet sich für Blogs, Magazine und vieles mehr. Quelle: Website-Screenshot

Das Ghost CMS eignet sich für Blogs, Magazine und vieles mehr. Quelle: Website-Screenshot

Unter anderem nutzen NASA und Apple die unabhängige Plattform für professionelle Publisher. Das Ghost CMS basiert auf Node.js, lange war die Node-API mit dem Admin-Bereich auf Ember.js-Basis und Template-System über Handlebars verbunden. Inzwischen eignet sich die bereitgestellte REST-API für JAMstack-Websites und Headless-Architekturen, Ghost ist jetzt ein vollständig entkoppeltes Headless CMS.

Zum Ghost CMS

2. Strapi

Abbildung - Strapi basiert auf Node.js und bietet eine Plugin-Architektur an. Quelle: Website-Screenshot

Strapi basiert auf Node.js und bietet eine Plugin-Architektur an. Quelle: Website-Screenshot

Strapi wird seit 2015 entwickelt, basiert auf dem Node.js-Framework und integriert eine Plugin-Architektur. Alternativ zur REST-API kann der Datenzugriff via Plugin per Graph-QL erfolgen. Der optisch ansprechende Admin-Bereich spart Zeit bei der API-Entwicklung.

Mehr Informationen zu Strapi

3. Directus

Abbildung - Directus basiert auf PHP und Backbone.js

Directus basiert auf PHP und Backbone.js

Das seit 2012 entwickelte Headless CMS Directus auf Open-Source-Basis bietet eine API und eine intuitiv zu bedienende Admin-Oberfläche. Directus basiert auf den Programmiersprachen PHP und Backbone.js, für den Betrieb sind ein Apache- oder Ngix-Server erforderlich.

Zum Headless CMS Directus

4. eZ Platform

Abbildung - Die eZ Platform ist eine weitere Open-Source-Lösung für ein Headless CMS.

Die eZ Platform ist eine weitere Open-Source-Lösung für ein Headless CMS.

Aus dem klassischen CMS eZ Publish hat sich die eZ Platform entwickelt. Zusätzlich zur kostenlosen Open-Source-Version gibt es kostenpflichtige Varianten mit umfangreichem Support. Das CMS eignet sich für Redakteure, Entwickler und Marketer.

Zum CMS eZ Platform

5. Cockpit

Abbildung - Das Headless CMS Cockpit stammt aus Deutschland und stellt nur sehr geringe Anforderungen an die Laufzeitumgebung.

Das Headless CMS Cockpit stammt aus Deutschland und stellt nur sehr geringe Anforderungen an die Laufzeitumgebung.

Das Cockpit CMS wird seit 2015 in Deutschland entwickelt und hat minimale Anforderungen. Es eignet sich sehr gut für den üblichen PHP-Stack und ähnelt in den Anforderungen der ebenfalls selbst gehosteten Lösung Directus.

Zum Cockpit CMS

Hinweis zu WordPress & Drupal

Seit WordPress Version 4.7 gibt es eine umfangreiche REST-API, wodurch sich Ansätze eines Headless CMS mit WordPress realisieren lassen. Schauen Sie sich bei Interesse das Beispiel für ein Headless WordPress mit React und Next.js (in Englisch) an.

Auch das beliebte CMS Drupal entwickelt sich ab Version 8 mit Integration des RESTful Webservice Moduls zu einer Headless-Architektur. Der Gründer Dries Buytaert hat einen ausführlichen Artikel zur Entkopplung von Drupal veröffentlicht.

Zusammenfassung

Möchten Sie Ihre Inhalte für verschiedene Formate und Plattformen bereitstellen, zum Beispiel für Website, App, VR-Anwendung, Smartwatch und andere IoT-Geräte? Dann ist der Wechsel zu einem Headless CMS die richtige Entscheidung. Geht es nur um die Betreuung einer einzelnen Website, bleiben Sie besser bei den bewährten Content-Management-Systemen wie Joomla! oder WordPress mit integriertem Frontend.

Die vorgestellten Open-Source-Headless-CMS eignen sich für Anwender mit entsprechenden Fachkenntnissen. Lösungen von Anbietern wie Contentful und Contentstack sind kostenpflichtige Alternativen mit umfangreicherem Support. Schauen Sie sich die Features im Detail an, testen Sie die Lösungen und wählen Sie das Headless CMS nach Ihren individuellen Ansprüchen aus.

 

Bildnachweis: Photo by Lee Campbell on Unsplash

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