Edward Snowden hat die Welt über die umfassende Überwachung der NSA aufgeklärt. Die Geschichte des bekannten Whistleblowers ist seit dem 22. September im Kino zu sehen. Schützen Sie Ihre Privatsphäre und sorgen Sie auch im Unternehmen für größtmögliche Sicherheit. Wir stellen Ihnen jetzt die Snowden-Tools vor, die der Experte Snowden für den Schutz der Privatsphäre empfiehlt. Das Beste: Diese Open-Source-Programme sind kostenlos.

Kommunizieren: Sicherer als WhatsApp – Signal & Threema

Zum Chatten und Telefonieren mit dem Handy empfiehlt Snowden die Open-Source-App Signal, die von anerkannten Kryptografie-Experten entwickelt wurde. Er verwende sie jeden Tag, sagte er im Rahmen eines Interviews (Edward Snowden Explains How To Reclaim Your Privacy). Der Vorteil gegenüber vielen alternativen Verschlüsselungsprogrammen liegt in der leichten Bedienung. Sie können mit Signal verschlüsselte Nachrichten, Videos und Bilder austauschen und sicher telefonieren. Sämtliche Daten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Weitere Informationen zur App Signal

Hinweis: Google Allo ist der neue Messenger-Dienst des Suchmaschinen-Giganten. Edward Snowden warnt eindringlich vor der Verwendung und weist auf die Verknüpfung mit der künstlichen Intelligenz von Google hin. Sogar WhatsApp mit seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei besser, schickt jedoch Daten an Facebook.

Die App Threema stammt von einem Unternehmen aus der Schweiz und gilt als noch sicherer, Ihre Telefonnummer müssen Sie für die Verwendung nicht zwingend angeben. Einziger Nachteil ist der Anschaffungspreis von 2,99 €.

Weitere Informationen zu Threema.ch

Surfen: Das Tor-Netzwerk und Nachfolger Riffle für weitgehende Anonymität

Im Laufe seines Interviews hat Snowden die Verwendung des Tor Browsers empfohlen, der Ihren physischen Aufenthaltsort verschleiert. Den Browser können Sie immer dann selektiv einsetzen, wenn Sie etwas im Netz recherchieren möchten und dabei keine Spuren hinterlassen wollen. Auch lassen sich damit zensierte Internetseiten in Ländern öffnen, die den Zugang zu diesen Seiten sperren. Bei der Technik erfolgt die Verbindung zuerst mit dem Tor-Netzwerk und dann mit dem Internet. Auf diese Weise verschleiern Sie Ihre Identität beim Aufrufen von Internetseiten und dem Verschicken von Dateien. Der Tor-Browser ist für Windows, Mac OS X und Linux verfügbar. Nachteil: Die Seiten laden langsamer.

Weitere Informationen zum Tor Browser

Hinweis: Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology MIT und der Schweizer École Polytechnique Fédérale de Lausanne haben den neuen und noch sichereren Browser Riffle entwickelt. Noch steht dieser aber nicht zum Download bereit.

Datensicherheit: Festplatte verschlüsseln

Verschlüsseln Sie Ihre Festplatten. Wird der Laptop geklaut oder die externe Festplatte versehentlich liegen gelassen, können Unbefugte leicht auf sämtliche gespeicherte Daten zugreifen und so – beispielsweise mithilfe Ihrer privaten Fotos – den Wohnort ermitteln oder die im Mail-Programm und Browser gespeicherten Passwörter auslesen. Die Festplattenverschlüsselung BitLocker ist bereits in einigen Versionen von Windows enthalten (unter anderem in den Pro- und Enterprise-Versionen von Windows 10), bei Macs kommt File Vault zum Einsatz. Der Rechner wird etwas langsamer, bei modernen Geräten ist der Unterschied aber kaum spürbar.

Snowden schlägt allerdings kein Programm explizit vor. VeraCrypt ist Nachfolger von TrueCrypt, schließt dessen Sicherheitslücken und soll besser und sicherer als die Vorgänger sein.

Weitere Informationen zu VeraCrypt

Passwort-Manager

Viele User verwenden leicht zu knackende Passwörter oder nutzen dieselben Anmeldedaten für verschiedene Dienste und Webseiten. Wird Ihr Account bei einem Dienst geknackt, haben die Angreifer anschließend Zugang zu vielen weiteren Diensten. Am besten verwenden Sie für jeden Dienst ein eigenes und wirklich sicheres Passwort. Mit einem so genannten Passwort-Manager erhöhen Sie die Sicherheit und müssen sich die vielen Passwörter nicht merken. Snowden hat dazu kein konkretes Programm angepriesen.

Das Open-Source-Tool KeePassX etwa ist für die verschiedenen Betriebssysteme erhältlich und speichert keinerlei Daten in der Cloud ab.

Weitere Informationen zu KeePassX

Verschlüsselte Datenübertragung erzwingen: HTTPS Everywhere

„Https“ in der Adresszeile zeigt die sichere Datenübertragung an, Internetseiten wie Facebook, Gmail und viele mehr nutzen diese. Mit dem Browser-Addon HTTPS Everywhere erzwingen Sie die verschlüsselte Datenübertragung, was bei allen Internetseiten mit Passwortabfrage wichtig ist.

Adblocker sind Pflicht

Einen Adblocker zu verwenden ist nach Snowden „not just a right but a duty“ („nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht“). Werbeanzeigen mit JavaScript-Inhalten und Flash können Hackern als Eingangstore dienen und sollten aktiv geblockt werden. In letzter Zeit sind allerdings einige Adblocker-Dienste in Verruf geraten. Mehr Informationen zum Thema.

Empfehlenswerte Adblocker-Tools sind uBlock Origin (für Mozilla Firefox und Google Chrome verfügbar) oder Ghostery (für Mozilla Firefox, Google Chrome und Safari verfügbar).

Weitere Informationen zu uBlock Origin
Weitere Informationen zu Ghostery

Für maximale Anonymität: Das portable Betriebssystem TAILS

Wer den größtmöglichen Schutz seiner Privatsphäre erreichen möchte, arbeitet nicht mit Windows oder Mac OS X, sondern verwendet stattdessen ein Linux-Betriebssystem. Das kostenlose Open-Source-Betriebssystem Tails wurde speziell für die maximale Anonymität im Netz entwickelt. Der gesamte Internetverkehr wird durch das Tor-Netzwerk geleitet. Sie können es von einer DVD, einem USB-Stick oder einer SD-Speicherkarte starten und hinterlassen keinerlei Spuren auf dem verwendeten Rechner. Als Hauptbetriebssystem eignet es sich kaum, sämtliche Daten werden nur temporär in den Arbeitsspeicher geschrieben. Vielmehr dient es als Instrument für extreme Situationen.

Weitere Informationen zum Betriebssystem Tails

Hohe Anonymität für den Alltag: Qubes OS

„I‘m really excited about Qubes“, sagt Edward Snowden. Wenn Sie sich für ein besonders sicheres Betriebssystem interessieren, das sich auch für die Verwendung im Alltag eignet, sei auf Qubes OS verwiesen. Auch hier kann der gesamte Datenverkehr mit dem Internet über das Tor-Netzwerk erfolgen und Sie können sichere virtuelle Maschinen für verschiedene Aufgaben verwenden.

Weitere Informationen zu Qubes OS

Sie haben Anregungen oder Fragen zu den Snowden-Tools? Schicken Sie uns einen Kommentar. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Benjamin Schmitz

Benjamin Schmitz

Benjamin Schmitz ist selbstständiger Systemadministrator und passionierter Webdesigner. Im Host Europe Blog schreibt er über Webanwendungen und gibt Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.
Benjamin Schmitz

8 thoughts on “IT-Sicherheit: Diese Tools empfiehlt Edward Snowden

  1. Wenn schon Addblocker dann doch bitte nicht ABP mit seinen käuflichen ‚Acceptable Adds‘ sondern etwas vernünftiges wie uBlock Origin. Dem Nachfolger des unkommerziellen ABP Ablegers Addblock Edge.

  2. Noch eine kleine Ergänzung – Ghostery funktioniert auch mit dem IE11 (bei mir im Einsatz).
    Bezüglich Threema wäre noch anzumerken, dass die App nicht unbedingt als „sicherer als Signal“ gilt – ist nach wie vor closed source. Signal ist open source…

  3. Um unkompliziert Ordner zu verschlüsseln, empfehle ich https://cryptomator.org/de/

    Das Programm verschlüsselt den gesamten Ordner samt Dateien und Unterordner. So lassen sich auf Festplatten und in der Cloud, z.B. bei Dropbox, verschlüsselte Ordner hinterlegen. Funktioniert für kleine und große Dateien, wie Video-Dateien.

    Und, es kostet nichts. Ist Open Source 🙂

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