Wozu machen Sie einen SEO-Audit? Das Ziel eines SEO-Audits ist es, ein Verständnis für die Funktionsweise unserer Website aus Sicht der Suchmaschine, in den meisten Fällen Google, zu erlangen. Unterstützen Sie Google, Ihre Website zu lesen und zu verstehen, dann wird das von der Suchmaschine mit mehr Sichtbarkeit durch eine bessere Bewertung und Positionierung in den Suchmaschinenergebnisseiten belohnt.

Außerdem ist die Optimierung der Benutzerfreundlichkeit und der inhaltlichen Relevanz Ihres Angebotes für Ihre Nutzer ein wichtiger Teil der Analyse. Dadurch sollen Ihre Nutzer einfach und ablenkungsfrei durch ihre individuelle Customer Journey geführt werden, damit sie möglichst schnell glückliche Stammkunden oder Stammnutzer werden.

Was ist ein SEO-Audit?

Ein SEO-Audit ist ein komplexes Analyseverfahren, mit dem der aktuelle Grad der Suchmaschinenoptimierung der Website ermittelt wird. Er zeigt den Status quo Ihrer Website sowie deren Verbesserungsmöglichkeiten auf. SEO-Audits müssen regelmäßig durchgeführt werden. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  1. Sie befinden sich im kontinuierlichen Wettbewerb mit Ihren Konkurrenten um die höchste Position auf der Suchmaschinenergebnisseite.
  2. Die Suchmaschinenanbieter überarbeiten ihren Algorithmus zur Identifikation von relevanten Seiten in sehr kurzen Abständen, so dass jede Optimierungsmaßnahme unsererseits spätestens beim nächsten Update überprüft werden muss.

Ein regelmäßiger SEO-Audit beginnt also bereits mit der täglichen Überwachung der Rankings Ihrer Seiten auf die von Ihnen fokussierten Suchbegriffe. Die Tools geben Ihnen aber auch Auskunft darüber, ob Anomalien in der Performance zu beobachten sind, die auf eine Änderung des Bewertungsalgorithmus der Suchmaschine hinweisen.

Es ist also immer der richtige Zeitpunkt, mit einem SEO-Audit zu beginnen.

5 Gründe, warum sich SEO wirtschaftlich lohnt

Es gibt zwar viele Gründe, warum Sie einen SEO-Audit machen sollten, aber die folgenden 5 zeigen, dass ein SEO-Audit auch finanziell lohnenswert ist.

Grund 1: Jeder benutzt Suchmaschinen

Jeder Internetnutzer, der in irgendeiner Weise ein Informationsbedürfnis befriedigen will, verwendet eine Suchmaschine. Da Google in Deutschland eine Marktabdeckung von ungefähr 95% hat, erklärt es sich von selbst, dass jedes Unternehmen, jeder Publisher und jeder private Blogger über Google Zugang zu seiner Zielgruppe hat. Je spezieller das Informationsbedürfnis ist, desto eher spielt sich die Kommunikation in möglicherweise geschlossenen Gruppen ab. Der Mainstream informiert sich aber auf Google. Deshalb steckt hier das wirtschaftliche Potenzial.

Grund 2: Ohne Media Kunden gewinnen

Weil Sie als Publisher mit Ihren wertvollen Informationen zum Erfolg von Google beitragen, bedankt sich Google bei Ihnen mit Sichtbarkeit gegenüber Ihrer Zielgruppe. Das jedoch gratis. Ihr Invest besteht lediglich in den Produktionskosten für den Inhalt und dessen suchmaschinenoptimierte Aufbereitung. Meines Wissens gibt es keine andere Plattform, auf der Werbefläche gratis zur Verfügung gestellt wird.

Grund 3: SEO ist nachhaltig

Jeder Content, der einmal veröffentlicht wurde, wird von Google fortwährend indiziert und angezeigt, ohne Folgekosten zu verursachen. Das steht im krassen Gegensatz zur Suchmaschinenwerbung: Investieren Sie in eine Werbeschaltung, generieren Sie Zugriffe auf Ihr Angebot. Schalten Sie dagegen Werbung nicht mehr, sind Sie automatisch unsichtbar.

Grund 4: Für jeden gleiche Chancen

Google ist relativ egal, wer Sie sind, woher Sie kommen und wie groß Ihr Unternehmen ist. Für Google ist entscheidend, ob Sie das aktuelle Informationsbedürfnis des Suchenden bedienen können. Dann empfiehlt Sie Google als optimale Quelle weiter. Unterstützen Sie Google auch noch technisch bei der Indizierung, bedankt sich Google bei Ihnen mit der höheren Positionierung in den Suchmaschinenergebnisseiten. So passiert es, dass Unternehmen, die in der Branche kein Mensch kennt, sich aber auf SEO verstehen, auf Platz 1 zu relevanten Themen ranken, während bekannte, aber digital nicht transformierte Unternehmen häufig so gut wie unsichtbar sind. Gleiche Chancen für alle, echte Demokratie.

Grund 5: Wir können die Erkenntnisse anderweitig nutzen

Google liefert Ihnen jede Menge Daten zum Nutzerverhalten in der Suchmaschine. Diese Daten werden per Schnittstelle zur Verfügung gestellt. Für Sie werden die Daten über Tools sichtbar, die diese API anzapfen und in ihren Dashboards auswertbar machen. Aus dem Nutzerverhalten können Sie Erkenntnisse und Maßnahmen ableiten, die weit über die SEO  hinausgehen, z.B. welches Produkt für die nächste Saison entwickelt werden könnte.

SEO lohnt sich, aber…

SEO lohnt sich also. Da die Suchmaschinenoptimierung aber nicht zum kostenverursachenden Fetisch werden soll, muss dem Invest ein kaufmännischer Return gegenüberstehen.

Produkte, wie z.B. eine Nintendo Switch werden eher über eine Produktsuchmaschine wie Amazon gesucht. Hier ist der Informationsbedarf gering, lediglich Preis und Verfügbarkeit entscheiden über den Kauf.

Ist unser Produkt so „nischig“, dass wir unsere Zielgruppe direkt adressieren können (z.B. per Account-Based Marketing), so ist der Invest in die Suchmaschinenoptimierung zumindest in seinem Umfang zu hinterfragen.

SEO ist also kein Selbstzweck.

Wie funktioniert eine Suchmaschine?

Eine Suchmaschine ist ein Katalogisierungsprogramm. Sie setzt die Elemente in ihrer Datenbank mit den Suchanfragen des Nutzers in Beziehung. Durch die Top-List-Funktionalität (oben stehen die relevantesten Ergebnisse) gibt sie eine Empfehlung ab.

Wir denken bei Suchmaschinen an Google, aber jede Suchfunktion auf einer beliebigen Website ist eine Suchmaschine, die aber über eine sehr viel kleinere Datenbank und weniger smarte Algorithmen verfügt.

Die hinterlegten Elemente in der Datenbank sind die verschiedenen Ordner und Inhalte einer Website. Die Indizierung erfolgt über einen Crawler. Das Bewertungsverhalten des Crawlers wird ständig überarbeitet und, abgesehen von wenigen offiziellen Update-Ankündigungen,  geheim gehalten.

Die Ableitungen, die Sie aus den Erkenntnissen eines SEO-Audits erhalten, entstehen deshalb nur über Reversed Engineering. Sie sind dadurch nur bedingt belastbar. Deshalb muss jede SEO-Empfehlung mit Bedacht gegeben werden.

Welche SEO-Daten können wir auswerten?

Die meisten SEO-Tools liefern Ihnen Informationen zu Keywords, Links und zur technischen Infrastruktur Ihres Angebotes. Über die Analyse der Zusammenhänge dieser drei Faktoren ziehen sie Schlüsse zu Ihren Inhalten, der Struktur Ihrer Inhalte auf Ihrer Angebotsseite, dem Suchverhalten der Nutzer sowie dem Bewertungsverhalten Ihrer Inhalte durch Dritte.

Die Tools geben zu diesen objektiven Daten häufig subjektive Handlungsempfehlungen ab, hinzu kommen individuelle und wenig transparent aggregierte Metriken. Sie versuchen damit, die künstliche Intelligenz des Google Algorithmus nachzubilden. Das funktioniert natürlich bedingt, da ihre technischen Kapazitäten im Vergleich zu Google ausnehmend gering sind.

Abbildung01 - Diagramm - SEO-Daten auswerten

Welche SEO-Tools sollten Sie verwenden?

Semrush

Semrush ist ein SEO-Tool, dass Ihnen jede Menge Daten rund um Keywords, Rankings, Backlinks und Werbebuchungen in Suchmaschinen liefert – auf globaler Ebene. Wer rankt mit welchem Keyword in welcher Position, wer bucht welche Adwords und wie sieht das Ganze im Monatsvergleich aus? Semrush hat die Antwort.

Was das Tool für mich so besonders macht, ist, wie die Rohdaten ausgewertet werden.

  • So wird Ihnen z.B. in Gap-Analysen angezeigt, über welche Backlinks, Keywords und Adwords Ihre Wettbewerber oder Best Practice Cases verfügen und Sie nicht.
  • Erwähnenswert ist auch das Keyword Magic Tool: Hier werden Keywords semantisch ausgewertet, sind breiter gestreut, variantenreicher und befreien den produzierenden Content Marketer aus dem Korsett der Fokus-Keywords.
  • Ähnlich befreiend ist das Content Magic Tool: Hier werden Keywords, Googles Autosuggest und rankende Seiten auf inhaltlicher Ebene ausgewertet, so dass sich der Redaktionskalender recht schnell füllt.

Ahrefs

Ein weiteres großartiges SEO All-in-one-Tool: Keywords, Rankings, Backlinks und Website-Traffic-Schätzungen, das und mehr liefert Ahrefs. Immer wieder treten Ahrefs und Semrush in Tests gegeneinander an. Dort werden häufig die Anzahl der gefundenen Backlinks miteinander verglichen, seltener die Traffic-Estimation. Mal hat Semrush die Nase vorn, mal Ahrefs.

Der Ahrefs Content Explorer ist allerdings ein echter USP: Ahrefs gibt Ihnen Antwort auf die Frage, welche Beiträge im Netz besonders “resonieren”.  Das Tool verfügt über einen gigantischen Website Crawler, der in regelmäßigen Abständen Milliarden von URLs ausliest.

Im Gegensatz zu Semrush setzt Ahrefs nicht nur Keywords und URLs in Beziehung, sondern liest und sammelt auch Titles, Descriptions, Volltexte und Verweise. Im Ergebnis können wir herausfinden, welche Tests zum Iphone SE 2020 (Suchphrase „Iphone SE 2020“ AND „test“ mit einer Title Search) in einem festgelegten Zeitraum besonders häufig geteilt wurden, welche Publisher eine besonders große Autorität haben, mit denen Sie besonders viele Zugriffe erzielten.

Durch die Bulk-Analyse der Inhalte sowie die Quantifizierung der Beurteilung ergeben sich Möglichkeiten, den Backlinkaufbau effektiver und effizienter zu gestalten, als mit jedem anderen Tool.

Ubersuggest

Ubersuggest ist ein in der Basisversion kostenfreies und limitiertes SEO-Tool, das ähnliche Funktionen anbietet, allerdings nicht in so großem Umfang.

Es ist kein Profi-Tool, eignet sich aber ganz hervorragend für den Einstieg in die Suchmaschinenoptimierung, da der eingeschränkte Funktionsumfang für weniger Ablenkung sorgt. Weil es kostenfrei ist, werde ich dieses Tool im Beitrag verwenden.

Honorable Mention: Screaming Frog

Ein Tool darf nicht fehlen: der Screaming Frog SEO Spider. Im Gegensatz zu den oben genannten Cloud Tools wird der Screaming Frog lokal auf dem Rechner installiert. Er eignet sich besonders für die technische Analyse einer Website.

Auf wachsweiche Empfehlungen wird hier verzichtet. Stattdessen erwarten uns belastbare Daten zu nicht erreichbaren Seiten, Weiterleitungen, Ordnerstrukturen und Metadaten, die wir in vielfältiger Weise auswerten können.

Der Screaming Frog verfügt über keine eigene Datenbank von Suchbegriffen, Suchanfragen oder externen Linkverweise. Wir können jedoch die Google Search Console oder auch das oben genannte Ahrefs anbinden. In dieser Kombination haben Sie die volle Kontrolle.

Abbildung - Teaser - Methodisches Content-Marketing

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Der SEO-Audit für SEO-Einsteiger in 7 Schritten

Schritt 1: Projekt planen

Bevor Sie in den den SEO-Audit starten, sollten Sie planen, wie viel Zeit und Geld in das Projekt investiert werden soll. Halten Sie sich an die 80/20-Regel: Da die letzten 20 Prozent der Optimierung 80 Prozent des Budgets verschlingen. Wägen sie ab, ob diese Optimierungen notwendig sind.

Der erste SEO-Audit für eine Domain ist eine Nullmessung. In regelmäßigen Abständen überprüfen Sie per Monitoring, ob Ihre Thesen korrekt und die daraufhin eingeleiteten Maßnahmen erfolgreich waren

Schritt 2: Seite einlesen

In unserem Beispiel analysieren wir die Domain fielmann.de und verwenden das Tool Ubersuggest. Es eignet sich ganz hervorragend für unser Beispiel, da es kostenlos nutzbar und ohne Registrierung über unseren Internet Browser erreichbar ist. Hier finden Sie die eingelesene Domain in unserem SEO-Tool. Das folgende Bild präsentiert sich uns:

Abbildung02 - SEO-Tool neilpatel - Seite einlesen

In der Mitte ihres Bildschirms prangt eine Warnmeldung. Sie besagt, dass nicht alle URLs dieser Domain eingelesen wurden, weil wir in der kostenlosen Version des Tools arbeiten. In der täglichen Praxis wäre das ein Problem, zur Illustration unserer Vorgehensweise ist das unproblematisch. Behalten Sie aber bitte im Hinterkopf, dass wir hier nur 151 URLs analysieren und in Ihrem Projekt ALLE URLs auditieren

Ansonsten finden Sie jede Menge Informationen zum Zustand Ihrer Seite auf diesem Dashboard. In den nächsten Abschnitten werden wir auf die verschiedenen Daten eingehen und diese gemeinsam interpretieren.

Beginnen wir mit der Analyse der technischen Infrastruktur, denn deren Resultate sind am objektivierbarsten.

Schritt 3: Ladezeit überprüfen

Google will seinen Nutzern eine möglichst gute User Experience bietet. Wer will schon gern warten? In der Mitte unseres Dashboards sehen wir Angaben zur Ladezeit.

Abbildung03 - SEO-Audit - Check der Ladezeiten

Auf der linken Seite sehen Sie die Ladezeit für die Desktop-Version der Seite. Auf der rechten Seite die Ladezeit für die mobile Version der Website. Sie sehen hier zwei unterschiedliche Werte. Gut ist erst einmal, dass es zwei Versionen dieser Website gibt und eine davon die mobile ist.

Mehr als 60% der Google-Suchanfragen kommen von Mobilgeräten. Deshalb indiziert Google zunächst lieber die mobile Website. Benutzer, die unterwegs sind, haben in ländlichen Gebieten häufig nicht die notwendige Breitbandverbindung, deshalb ist die mobile Version einer Website oft eine abgespeckte Version der Desktop-Variante. So lädt sie schneller.

In diesem Beispiel stoßen wir aber auf das erste Problem: Die mobile Version der Website lädt fast dreimal so lange wie die Desktop-Version.

Unter den Balken finden Sie Detailangaben, z.B. wie lange es dauert, bis das erste Bild geladen wurde (4 Sekunden), wann die Seite interaktiv wird (6s) und vieles mehr. Was hinter den kryptischen Bezeichnungen steckt, erfahren Sie mit einem Klick auf die kleinen Fragezeichen.

Warum lädt diese Seite so langsam? In diesem Falle kann es an unkomprimierten Bildern und Videos liegen, am Code oder an langsamen Servern. In jedem Fall ist das ein Auftrag für Spezialisten, für Content Manager und Entwickler.

Als Nächstes wenden wir uns der Seiten- und Ordnerstruktur zu.

Schritt 4: Seiten- und Ordnerstruktur auditieren

Kein Nutzer möchte gern in die Irre geführt oder ins Leere geschickt werden, niemand möchte bruchstückhafte oder doppelte Inhalte lesen, kein Google-Crawler möchte vergebens einen Server durchsuchen.

Deshalb überprüfen Sie die Ordnerstruktur der Website sowie die Seitenstruktur der Einzelseiten. In der Mitte des Dashboards finden Sie den entsprechenden Bereich:

Abbildung04 - SEO-Audit - Seiten- und Ordnerstruktur auditieren

Uns interessiert die linke Box. Von den 151 untersuchten Seiten weisen 134 Probleme auf, nur 14 sind fehlerfrei. Das ist ein sehr schlechter Wert. Was dahintersteckt, erfahren Sie mit einem Klick auf die Box.

Abbildung05 - SEO-Audit - Seiten- und Ordnerstruktur Box

Sie sehen hier eine Tabelle mit allen Fehlern, die unser Tool identifiziert hat, sowie dessen Einschätzung, wie kompliziert die Behebung des Fehlers und wie groß der Impact auf die SEO-Performance ist. Hier empfiehlt es sich, einen SEO-Spezialisten hinzuzuziehen, der bei der Interpretation der Fehlermeldungen hilft.

Folgen Sie in unserem Beispiel den Empfehlungen des Tools, dann können Sie mit einigen wenigen Handgriffen offenbar große Erfolge erzielen: Die sitemap.xml muss neu eingelesen werden, 2 Seiten benötigen mehr Text, 15 Seiten neue Meta-Titles und neue Meta-Descriptions sowie 116 Seiten eine Überprüfung des Codes, weil mehr als ein Title Tag verwendet wird.

Wir finden keine Links, die ins Leere zeigen (404), wenige interne Linkverweise (301) und keine blockierten Seiten. Bei 151 untersuchten Seiten ist das allerdings kein Wunder.

All diese Fehler lassen sich von Content Managern und Redakteuren beheben.

Schritt 5: Keyword Rankings auditieren

Ausgehend von unserem Site Audit Dashboard wechseln Sie nun in den Bereich Content hinüber und untersuchen die Keywords. Die dritte Box von links im oberen Bereich unseres Site Audit Dashboards führt uns dorthin.

Abbildung06 - SEO-Audit - Site Audit

In dem folgenden Dashboard sehen Sie einen Überblick über die Suchbegriffe, zu denen wir mit den einzelnen Seiten unserer Domain für den Suchmaschinen Nutzer sichtbar werden.

Abbildung07 - SEO-Audit - Überblick über die Suchbegriffe

Die Ansicht ist zweigeteilt: auf der linken Seite finden Sie die Suchbegriffe, die Nutzer verwenden sowie in den Spalten der Tabelle Angaben

  • zur Anzahl der Suchanfragen pro Monat,
  • zu unserer Position in den Suchmaschinen-Ergebnisseiten,
  • zu den Website-Zugriffen, die wir durch diese Positionierung erlangen (Obacht hier, das ist lediglich eine Schätzung des Tools), und
  • zum Wettbewerb unserer Konkurrenten um den jeweiligen Suchbegriff.

Auf der rechten Seite sehen wir die Liste der Websites, die sich zum links ausgewählten Suchbegriff auf den Suchmaschinen-Ergebnisseiten von Google positionieren. Wenden Sie sich zunächst den Keywords zu.

Was zeichnet gute Keywords aus? Gute Keywords sind Keywords:

  • die häufig gesucht werden,
  • mit denen Sie schon ein wenig sichtbar ist,
  • mit denen Sie Nutzer auf Ihr Angebot holen können,
  • für die es wenig Wettbewerb gibt, und
  • die Sie kapitalisieren können.

Prüfen wir nun einmal die Keywords an zwei Beispielen. Ganz oben auf der Liste finden Sie den Suchbegriff “Fielmann”.

Suchbegriff “Fielmann”

Der Begriff “Fielmann” wird häufig gesucht (Volumen 201.000), Fielmann befindet sich in der Top-Position. Mit diesem Suchbegriff werden pro Monat mehr als 60.000 Zugriffe erzielt und Sie sehen einen mittelgroßen Wettbewerb.

Insgesamt sehen Sie also gute Werte, aber ist der Suchbegriff “Fielmann” kapitalisierbar?

Wer “Fielmann” sucht, kennt Fielmann. Die insgesamt guten Sichtbarkeitswerte sind das Ergebnis jahrzehntelanger Marketing-Bemühungen. Diese Zugriffe generieren keine neuen Kunden, die ansonsten vielleicht zu Wettbewerber Brille24 gegangen wären. Es ist zu vermuten, dass das Ziel der Suche die Adresse der nächstliegenden Filiale ist. Lohnt sich der Invest, die Gelben Seiten digital nachzubilden? Aus meiner Sicht nicht, denn das macht Google Maps ganz von allein.

Suchbegriff “Sonnenbrille”

Der Suchbegriff “Sonnenbrille” dagegen entspricht einer Suche, die sich kapitalisieren lässt und für Fielmann und seine Marktbegleiter relevant ist.

Abbildung08 - SEO-Audit - Beispiel - Sonnenbrille

Auch hier ein hohes Suchvolumen, viele zu erwartende Zugriffe, aber ein schlechtes Ranking auf Position 13.

Abbildung09 - SEO-Audit - Check Suchvolumen

Hier hilft die inhaltliche, strukturelle und technische Optimierung der betroffenen Seiten und Seitenbereiche durch:

  • mehr thematisch ergänzendem Content,
  • Reduktion von überflüssigem Content,
  • besseren Content-Strukturen (interne Linkverweise, Restrukturierung von Fließtexten, Verwendung semantischer Keywords, W-Fragen),
  • Online-PR-Maßnahme für Linkverweise von extern (z.B. Gastbeiträge)
  • Optimierung der Ladezeiten

und vieles mehr.

Dieses Kapitel konsumiert das größte Budget der Suchmaschinenoptimierung, da es praktisch niemals abgeschlossen ist. Auf jeden Fall sind das Jobs für Content Marketer und Redakteure.

Schritt 6: Links auditieren

Hierzu gehen Sie zurück auf Ihr Dashboard. In den beiden mittleren Boxen finden Sie Aussagen zu Linkverweisen von externen Domains auf unsere Zieldomain. Ein Klick bringt uns in den Bereich der Backlinks.

Abbildung10 - SEO-Audit - Links auditieren

Die Anzahl der Backlinks beinhaltet die tatsächlichen Linkverweise, die in der Datenbank unseres Tools gefunden wurden. “Referring-Domains” zählt die Domains, von denen diese Links stammen. Je größer die Zahl der Referring-Domains ist, desto besser. Je größer das Verhältnis zwischen Backlinks und Referring-Domains ist, desto besser. Als Maximum ist ein Backlink pro Domain anzusehen.

Als kleine Ergänzungen zeigt das Tool im Bereich der Backlinks NoFollow, also solche Backlinks, die der Suchmaschinen-Crawler bei der Indizierung ignorieren soll, und im Bereich der Referring-Domains sogenannte .gov und .edu Domains, die das Tool als besonders wertvoll einschätzt.

Wir errechnen, dass im Durchschnitt ungefähr 20 Backlinks von einer Domain stammen. Das klingt im ersten Moment nach einer bezahlten Maßnahme (was Google nicht schätzen würde). Es könnte aber genauso gut möglich sein, dass die einzelnen Fielmann-Niederlassungen eigene Domains führen und per Impressum auf die Firmenseite verweisen. Backlinks zu beurteilen bedeutet also, sich die Linkgeber genauer anzuschauen.

Darunter sehen Sie eine Grafik mit dem Wachstum der Backlinks und Referring-Domains über einen zeitlichen Verlauf. Interessant hierbei ist, dass die Anzahl der Referring-Domains nicht besonders gewachsen ist, die Anzahl der Backlinks jedoch schon. Das sieht nach einer konzertierten Aktion aus. Auch hier müssen Sie sich genauer anschauen, welche Art von Backlinks auf den betroffenen Domains hinzugekommen sind.

Ganz unten sehen wir die Backlinkgeber im Tabellenformat.

Abbildung11 - SEO-Audit - Backlinkgeber

In den Spalten finden Sie:

  • Name und URL der Linkquelle
  • eine qualitative Einschätzung der Domain durch das Tool
  • eine qualitative Einschätzung der Seite, die die Linkquelle enthält
  • das Format des Links
  • der Text, der den BackLink enthält und zuletzt
  • die Indizierungsdaten.

Mit den Daten müssen Sie mit Vorsicht umgehen. Schauen Sie beispielsweise in Zeile 9. Die Daten besagen, dass die Domain des Linkgebers wertvoll ist (Domain Score 93), die Seite selbst jedoch nicht (Page Score 27). Verlinkt wird ein Bild ohne Ankertext.

Ein Klick führt Sie auf eine Standard-404-Seite des Website-Baukasten-Anbieters Jimdo. Das erklärt den hohen Domain-Score und den geringen Page-Score. Das ist aus SEO-Sicht ein schlechter Backlink. Aus kaufmännischer Sicht ebenso, weil Fielmann dadurch keine neuen Kunden gewinnen.

Wünschenswert sind Backlinks mit hohem Domain-Score, hohem Page-Score, einem aussagekräftigen Ankertext, eingebettet in einen Content, der sich detailliert inhaltlich mit dem Angebot von Fielmann auseinandersetzt. Das kostet entweder viel Geld oder viel Überzeugungsarbeit.

Diese Ergebnisse zu verbessern ist die Aufgabe von Content Marketern.

Schritt 7: Monitoring, Reporting und Analyse

Nachdem Sie nun die Website auditiert haben, wäre es schade, wenn die Erkenntnisse nicht in Maßnahmen und in die Erfolgsmessung überführt würden.

Deswegen monitoren Sie kontinuierlich alle relevanten Metriken, wie z.B. die Ladezeiten, die Rankings auf relevante Keywords, die erfolgreiche Entfernung schadhafter Backlinks und das Wachstum wertvoller Backlinks.

Einige Metriken sind Tool-spezifisch. Deswegen sollten Sie immer mit demselben Tool die Veränderungen messen. Verwenden Sie auf jeden Fall ein zweites Tool zur Validierung der objektiven Daten.

Der Datenpool kann sehr schnell sehr umfangreich werden. Deswegen stellen Sie nur die relevantesten in einem monatlichen reduzierten Reporting dar. So können Sie auf diesem unübersichtlichen Feld einen regelmäßigen Soll-Ist-Vergleich durchführen.

Ein solches Reporting muss natürlich diskutiert werden, besonders in der Suchmaschinenoptimierung, wo es viele Interpretationsspielräume gibt. Wie eingangs erwähnt, können Sie nur mutmaßen, wie die künstliche Intelligenz von Google mit den von Ihnen auswertbaren Daten umgeht. Objektivierbar werden unsere Annahmen erst im Feldversuch, wenn wir Maßnahmen über einen längeren Zeitraum anhand der Veränderungen überprüfen.

Das Monitoring übernehmen Suchmaschinenspezialisten, das Reporting Content Marketer und die Analyse ist die Aufgabe des ganzen Teams.

Zusammenfassung

Wie schon eingangs erwähnt, ist der SEO-Audit ein komplexes Analyseverfahren, das für die “Nullmessung” allein schon mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Im Rahmen dieses Beitrages konnte ich mehr oder weniger nur an der Oberfläche kratzen.

Diese und viele weitere Themen werden in meinem Buch “Methodisches Content Marketing” behandelt. Es ist im 2019 im Springer Gabler Verlag erschienen und hier erhältlich.

Leseproben, Rezensionsexemplaren und viele weitere Informationen gibt es auf dieser Seite

Gerrit Grunert
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