(Update Juli 2021) Performance und Pagespeed sind Fachgebiete, die sich extrem schnell weiterentwickeln. Nicht zuletzt, weil so viel von der einen Instanz abhängt, die die Rahmenbedingungen bestimmt und mit regelmäßigen Updates immer wieder ändert: Google. Deshalb lohnt es sich, immer wieder zu überlegen: Was wird wichtig werden und was bleibt quasi zeitlos gültig? Was kommt? Was bleibt? Was sind die wichtigsten Pagespeed-Trends?

Zeit ist Geld

Eine schnelle Webseite ist kein einmaliges Projekt. Es lohnt sich, sie laufend im Auge zu behalten und an neue Bedingungen anzupassen. Warum? Weil die Ladegeschwindigkeit direkte Auswirkungen auf die Conversion und letztlich auf die Umsätze hat, die mit der Seite generiert werden. Zeit ist hier wirklich Geld.

Ein paar Beispiele: Amazon hat errechnet, dass sie 1,6 Milliarden Dollar im Jahr weniger Umsatz machen würden, wenn die Seite eine Sekunde langsamer laden würde. Pinterest hat die subjektive Ladezeit um 40 Prozent gesenkt und damit ein Traffic-Plus von 15 Prozent geschafft. Und bei Walmart sinkt die Conversion mit jeder Sekunde, die die Seite länger lädt, um zwei Prozent. In der Praxis bedeutet das: 18 Prozent der Online-Shopper brechen den Einkauf ab, wenn die Seite zu langsam lädt, und 79 Prozent kommen danach nicht mehr wieder.

Dass noch eine Menge zu tun ist, hat Google selbst in einem Benchmark von Landing-Pages herausgefunden: ein Viertel aller Seiten lädt länger als 10 Sekunden! Wer wartet denn heute noch 10 Sekunden lang ab, ob sich eine Seite vielleicht noch fertig lädt? Dass Google selbst Seiten, die langsam laden, im Pagerank abstraft, ist inzwischen längst schon Allerweltswissen.

Die Rahmenbedingungen: Was ändert sich und hat sich bereits geändert?

Bei all den schlechten Nachrichten des letzten Jahres bleibt auch etwas Positives: Die Digitalisierung bekommt einen gewaltigen Schub. Viele Menschen arbeiten jetzt aus dem Home-Office, Kulturschaffende und Schüler*innen nutzen das Netz, im Lockdown boomt das Online-Shopping.

Doch zugleich bleibt die Bandbreite das Sorgenkind der digitalen Entwicklung in Deutschland. Noch immer ist das Festnetz auf dem Land oft erbärmlich langsam, und 5G ist auf den mobilen Endgeräten immer noch Zukunftsmusik. Viele Websites werden völlig falsch konzipiert, gerade so, als spiele die Bandbreite keine Rolle mehr.

Deshalb rate ich auch den urbanen „Digital Natives“: Testen Sie Seiten auch auf einem Einsteiger-Smartphone mit 3G oder Edge. Wer das einmal erlebt hat, für den wird Pagespeed ein unverzichtbares Kriterium bei der Entwicklung sein.

Google Page Experience Update

Eines der wichtigsten Ereignisse im Performance-Bereich ist das Update der Page Experience, das Google für den Mai 2021 angekündigt hatte. Ab diesem Zeitpunkt wird sich die Page Experience unmittelbar auf das Ranking-Ergebnis auswirken. Die Benutzerfreundlichkeit der Seite wird also nicht mehr nur bewirken, dass der Kunde ein besseres Online-Shopping-Erlebnis hat, sondern dass er seinen Online-Shop auch besser findet. Die für Mobile optimierten AMP-Seiten werden weiterhin gut ranken, aber dann nicht mehr automatisch bevorzugt; auch klassische Webseiten können hervorgehoben werden.

Die Page Experience basiert auf den Core Web Vitals von Google. Das ist ein Bewertungssystem aus drei Metriken, die die Renderzeit und die visuelle Stabilität der Seite messen.

Tipps zum Google Update Core Web Vitals haben wir Ihnen in diesem Artikel zusammengestellt.

CLP, FID und CLS

Zentral wichtig fürs Ranking ist zukünftig dann das Loading, auch Largest Contentful Paint (CLP) genannt. Diese Kennzahl misst das wahrgenommene Ladetempo bis zu dem Moment, an dem die Hauptinhalte der Seite geladen sind. Wenn das größte Element schnell im Viewport geladen ist, etwa das Hauptbild der Seite, dann ist der CLP-Wert gut und die Seite wird gut gerankt. Logische Folge: Die effiziente Komprimierung des Bildmaterials wird immer wichtiger.

Die Interaktivität der Seite wird mit dem First Input Delay (FID) gemessen. Der Wert macht eine Aussage über die Fähigkeit einer Seite, auf Eingaben der Nutzer zu reagieren: Wann ist der Nutzer im Ladeprozess zum ersten Mal in der Lage, mit der Seite zu interagieren?

Mit dem Cumulative Layout Shift (CLS) schließlich wird die visuelle Stabilität der Seite ausgedrückt. Er hält fest, wann die letzten unerwarteten Layout-Änderungen bei sichtbaren Seiteninhalten erfolgen.

Zu den Core Web Vitals gehören darüber hinaus noch vier weitere Faktoren, die das Ranking beeinflussen: Wie mobile-freundlich ist die Seite aufgebaut? Wie sicher ist sie? Liegt sie im HTTPS-Standard vor? Und: Sind hinderliche Unterbrecher-Elemente eingebaut?

Damit bekommen Seitenbetreiber 2021 einen sehr verlässlichen und klaren Rahmen für die Performance der Seite. Die Core Web Vitals sind quasi das Handwerkszeug, mit dem die Seite schneller und besser gemacht werden kann.

Mobile-Only statt Mobile-First

Ein weiterer Wendepunkt betrifft den Googles Crawling-Index. Seit mehreren Jahren werden mobile Inhalte schon bevorzugt. Ab März werden reine Desktop-Inhalte nicht mehr in den Suchindex aufgenommen, für die Crawler gilt dann: mobile-only. Entscheidend sind dann also die Anweisungen für die Crawler in der robots.txt. Die Meta-Robot-Tags und die Inhalte für Desktop und Mobile müssen übereinstimmen, sonst kommt es zu Traffic-Einbußen.

Die weitere Umgestaltung der Seiten mit dem Fokus auf Mobilgeräte wirkt sich nicht nur auf die Indexierung aus; vieles verbessert auch zugleich die Performance: Das Design wird schlichter und klarer, die Texte werden kürzer und bekommen mehr Struktur, das alles begünstigt die Ladezeiten. Und die verbesserte Performance wird wiederum beim Ranking bevorzugt.

Auch hier gilt: Smartphones haben keine 200Mbit-Leitung. Bei der Optimierung der Mobile-Performance muss man darauf achten, dass man die Webseite nicht nur mit DSL-Geschwindigkeit testet, sondern auch mit Edge und besonders mit 3G. Bei langsameren Geschwindigkeiten ist der LCP-Wert schwieriger zu verbessern. Bildgrößen, JavaScript- und CSS-Größen müssen viel schlanker werden als noch 2020.

Pagespeed – wir spielen auch 2021 Puzzle

Es ist entscheidend, zu wissen, welche Entwicklungen das Jahr 2021 prägen werden, und seine Webseite entsprechend zu planen. Zugleich bleiben aber auch die meisten „ehernen Grundsätze“ der Performance-Optimierung gültig. Viele Details ergeben zusammen ein großes Kunstwerk – eine blitzschnelle Seite. Es ist wie mit einem großen Puzzle: Viele kleine Einzelteile brauchen viel Zeit zum Zusammenbau. Mit weniger Teilen, einfacheren Formen und klaren Farben lässt sich die Zuordnung der Teile und der Aufbau des Gesamtbilds viel schneller bewerkstelligen. Einige der Tricks, das Puzzle einfacher zu machen, seien hier kurz wiedergegeben. Sie gelten 2021 unverändert weiter.

Statischer Inhalt lädt schneller als vom Webserver erst neu generiertes HTML. Datenbanken sind häufig ein Flaschenhals. Deshalb ist es sinnvoll, das Ergebnis vor der Auslieferung in eine statische HTML-Seite zu speichern und diese auszuliefern.

Mehrere JavaScript- und CSS-Dateien sollten komprimiert und zu einer bis zwei Dateien zusammengefasst werden. Die sind dann schneller zu laden.

Bei dem jQuery-Tool fancyBox kann man z.B. etwa 57 Prozent einsparen (66,7 KB statt 157 KB), wenn man seine Dateien komprimiert:

Mit Lazyload lädt sich der sichtbare Teil der Seite am schnellsten, während der Rest der Seite erst nachlädt, wenn der Nutzer nach unten scrollt. Aber aufgepasst: Lazyloading sollte nicht für die Hauptinhalte der Seite angewandt werden, damit die Googlebots nicht an der Erfassung der Inhalte gehindert werden.

Bandbreite spart auch die responsive Verwendung verschiedener Bilder je nach Plattform. Mit dem Picture-Tag werden dann für den Desktop große, eher quadratische Bilder geladen, fürs Tablet schmale und für Mobile kleine Detailaufnahmen.

Abbildung - Performance 2021 - Die responsive Verwendung verschiedener Bilder

Für hochfrequentierte Seiten kann ein Proxy-Cache den Pagespeed verbessern. Er entlastet durch die Bündelung der Anfragen den Backend-Server ungemein.

Viele kleine Puzzleteile ergeben ein großes Bild

Zusätzlich gibt es noch ungezählte weitere kleine Puzzle-Teile, die auch in diesem Jahr dabei helfen, die Performance zu verbessern. Dazu zählen die korrekt gesetzten Caching-Header, eine gute Komprimierung, der Einsatz des http2-Push-Verfahrens, ein leistungsfähiges Webhosting oder die globale Verteilung der Serverstandorte über ein angepasstes Content Delivery Network (CDN). Sehr kleine Bilder könnte man auch im Base64-Code speichern, um das Volumen noch weiter zu reduzieren. Schließlich kann man bei jedem einzelnen Projekt die Ladezeit noch individuell verbessern; manchmal zum Beispiel dauert die Suche sehr lange, das könnte man mit dem Einsatz eines Solr-Servers korrigieren.

Performance 2021 – Pagespeed ist kein Projekt

Als guten Vorsatz empfehle ich, die Performance einer Seite nicht mehr als Projekt, sondern als laufende Aufgabe zu begreifen. Nur vor dem Launch einmal übers Tempo nachzudenken, das reicht nicht mehr.

In der Entwicklung, vor dem Launch und vor jedem neuen Feature muss man handeln. Wenn sich neue technische Rahmenbedingungen ergeben, muss man handeln. Letzten Endes ist es auch eine Frage der grundlegenden Konzeption und des Designs. Wenn die Seite auch bei 3G in nur zwei Sekunden vollständig laden soll, dann ist ein vollformatiges Image-Bild keine gute Idee, auch wenn das Markenimage dadurch besonders emotional transportiert werden kann.

Verantwortungsvolle E-Commerce-Anbieter handeln proaktiv, bevor die ersten Kundenklagen oder verschlechterte Conversion-Zahlen hereinkommen. Wenn dieses grundlegende Verständnis von Performance besteht und zusätzlich noch die aktuellen Trends berücksichtigt werden, dann stellt Pagespeed auch 2021 kein Problem dar. Eine langsame Website ist ein Bug.

Markus Amalaraj

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