Die Zeiten, als sich Unternehmen die Rosinen auf dem Personalmarkt rauspicken konnten, sind schon länger vorbei. So wie sich der Herstellermarkt in einem Käufermarkt gewandelt hat, so bewerben sich die Mitarbeiter nicht mehr bei Unternehmen, sondern zunehmen erfolgt der Prozess andersherum. Nicht umsonst gibt es mittlerweile eine ganze Marketingbranche, die sich ausschließlich ums Employer Branding kümmert. Im Zentrum der HR-Online-Marketing-Maßnahmen steht die Recruiting-Landingpage. Wir zeigen Ihnen, was Sie bei der Erstellung beachten sollten.

Was ist eine Recruiting-Landingpage

Recruiting-Landingpages sind die Seiten, mit denen Sie auf Talentfang gehen. Die drei häufigsten Formen sind Job-Anzeigen, Talent Community-Seiten und Karriere-Seiten. Landingpages ermöglichen Recruitern, neben der normalen Karriere-Seite eine eigenständige Webseite für einen bestimmten Zweck zu erstellen. Während eine Karriere-Website häufig viele Ziele hat, sollte eine Landingpage vorrangig nur ein Ziel verfolgen. In der Regel könnte dies eine bestimmte Kampagne oder Position sein. So können Sie mit einer Recruiting-Landingpage zum Beispiel eine Gruppe, wie Absolventen gezielt erreichen.

Unterschiedliche Job-Gruppen gezielt ansprechen

Adidas hat zum Beispiel sehr großen Erfolg mit speziellen Microsites, wie dem Recruiting-Portal für das Aufgabenfeld Design. In einem Interview im Personalmarketing Blog erläuterte Steve Fogarty, Mitglied des Talent Acquistion Center of Excellence und mitverantwortlich für die internationale Employer Branding Strategie der Adidas-Group, die Vorteile. Die Microsite ist auf sehr positive Resonanz gestoßen, denn unterschiedliche Zielgruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse und erwarteten eine Form der Interaktion, die zu ihnen passt. Designer beispielsweise wünschten sich im Allgemeinen ein Erlebnis, das ihr hohes Maß an Kreativität und ihr hohes Bewusstsein für Ästhetik anspricht. Eine Seite, die für ein breites Publikum konzipiert würde, erfülle diesen Anspruch nicht unbedingt. Übrigens hat die Adidas Design Microsite nach ihrem Go-live viele Design-Awards gewonnen.

Warum HR-Manager auch Marketing können müssen

Was in diesem Kontext direkt auffällt: Die Erstellung einer Recruiting-Landingpage erfordert eine Marketing-Denke. So wie eine übliche Landingpage genutzt wird, um einen Lead zu generieren, werden auf Recruiting-Landingpages Bewerber eingesammelt. Deshalb müssen Sie als Recruiter wie ein Marketer denken, wenn Sie die Seite erstellen, um Ihre Zielgruppe einzufangen. Jeder Schritt im Entscheidungsprozess des Kandidaten muss im Vorfeld durchgespielt werden. Auf jeden Fall sollten Informationen zur Position und über die Unternehmenskultur vorhanden sein. Am wichtigsten jedoch ist der Call-to-Action, der in diesem Fall meist die Aufforderung zur Bewerbung ist. Eine weitere interessante Möglichkeit ist, dass sich Bewerber über die Landingpage zu einer Talent Community anmelden oder passende Job Alerts bestellen.

Weniger ist mehr

Vermeiden Sie das Überladen der Zielseite mit zu vielen Designelementen. Stellen Sie sicher, dass der Text prägnant und fokussiert ist. Denken Sie daran, die Seite hat nur einen Zweck: Ihnen Ihre Wunsch-Mitarbeiter zu liefern. Insbesondere Personaler neigen häufig dazu, zu viele Links zu zu vielen Informationen zu setzen. Für Ihre Recruiting-Landingpage reichen in der Regel Haupt-Headlines, die wichtigsten Job-Features, ein wenig Support-Content, schnelle und prägnante Call-to-Action-Elemente und ein oder zwei Visuals.

Tipp: Löschen Sie alle unnötigen Features, Links und Elemente. Manchmal lohnt sich sogar das Entfernen der Haupt-Navigation und der Footer-Links, so dass die User Journey konsequent auf das wirklich Relevante ausgedünnt wird.

Wie Bienen mit Honig anlocken

Wichtig ist, zu verstehen, dass Sie als Personaler nur eine einzige Chance haben, einen potenziellen Kandidaten mit Ihrer Landingpage zu überzeugen. Anstatt die Seite zu überfüllen, sollten Recruiter vor allem die eine Frage beantworten: Warum sollte der Interessent sich bei Ihrem Unternehmen bewerben? Das können Weiterbildungen oder aber auch progressiv steigende Gehälter sein. Was auch immer Sie anbietet, Sie sollten darauf achten, dass dieses klar kommuniziert werden muss. Beschreiben Sie das Stellenprofil so deutlich, dass der Kandidat mit Hilfe der Stellenbeschreibung selbst entscheiden kann, ob er auf die Stelle passt. Größter „Upturner“ aug einer Recruiting-Landingpage sind wenig inspirierende nicht lebendige Stockfotos. Verwenden Sie am besten Fotos, die wirklich im Unternehmen von einem professionellen Fotografen geschossen wurden. Wenn das zu teuer ist, nutzen Sie wenigstens Bilder, die anders oder, die so verlockend sind, dass man sich einfach nicht gegen Ihr Unternehmen entscheiden kann.

Bewerberdaten optimal nutzen

Überlegen Sie, wie Sie Besucherinformationen kanalisieren können. Sinnvoll ist zum Beispiel ein Link direkt in das Applicant-Tracking-System (ATS), also das elektronische Bewerbermanagement. Noch effektiver ist die Verknüpfung mit einem Recruiting-CRM-System.

Tipp: Über ein Gateway zum ATS können unterschiedliche Zielseiten in Hinblick ihrer Wirksamkeit getestet und optimiert werden.

Testen, überwachen und optimieren

Überwachen und messen Sie die Effektivität Ihrer Recruiting-Landingpage von Anfang an. Warten Sie auf keinen Fall bis zum Abschluss der Kampagne. Analytic-Tools, Heatmaps, Diagramme zur Visualisierung von Daten, sowie andere Besucher-Tracking sind ein Muss, wenn Sie so viele qualifizierte Bewerbungen wie möglich erhalten möchten. Optimieren Sie schon während der laufenden Kampagne aufgrund Ihrer Monitoring-Ergebnisse. Schon kleinste Drehungen an der „User Experience“-Schraube können große Auswirkung auf die Konvertierung haben.

Tipp: Testen Sie Ihre Recruiting Landingpage aus der Perspektive eines potenziellen Kandidaten!

Das sind die Must-haves einer erfolgreichen Recruiting-Landingpage

  • Ein einladendes Layout: Schließlich sollen sich die Bewerber von Anfang wohl fühlen, wenn sie sich schon für ein Unternehmen entscheiden sollen, bei dem sie ein Drittel der Zeit ihres Lebens verbringen.
  • Video ist der einfachste Weg, Inhalte zu konsumieren. Studien zeigen, dass Videos die Conversion einer Recruiting-Landingpage um bis zu 80 Prozent erhöhen können. Mit Videos verbringen interessierte Kandidaten auf jeden Fall schon einmal eine gewisse Zeit mit Ihrem Unternehmen als potenziellem Arbeitgeber.
  • Denken Sie daran, gut sichtbare Call-to-Action-Elemente für die Bewerbung, zur Registrierung von Job-Alerts oder für die Anmeldung zur Talent-Community auf Ihrer Seite zu platzieren (idealerweise sogar zwei auf der Seite).
  • Vergessen Sie auch nicht die Basics: SEO, eingängige Jobtitels und Deskriptions, so dass zum Beispiel ein Fensterreiniger auch so benannt wird. Diese sollten an die Stellenbeschreibung aus dem Internet angepasst werden und nicht eine einfache Übernahme der internen Stellenbeschreibungen sein.
  • Zeigen Sie Insights: Mitarbeiter-Testimonials, Räumlichkeiten oder auch Veranstaltungen ermöglichen dem, Interessenten sich auch ein Bild darüber zu machen, welche Menschen in Ihrem Unternehmen arbeiten.
  • Reduzieren Sie die Navigation auf das Wichtigste. So bleiben die Kandidaten fokussiert.
  • Alle Ihre Bemühungen sind fast umsonst, wenn Sie keine umfassende Recruiting-Social-Media-Strategie haben. Teilen Sie Ihre Jobangebote nicht nur über die relevanten sozialen Netzwerke, sondern auch über andere Kanäle, wie zum Beispiel E-Mail.

Unser Profi-Tipp: Mehr Landingpages, mehr Erfolg

Wie schon die Erfahrung aus dem Adidas-Beispiel zeigt, sollten Sie am besten auf mehrere Recruiting-Landingpages für unterschiedliche Aufgabengebiete setzen. Je mehr Seiten Sie haben, desto schneller lernen Sie, wie Sie diese gezielt optimieren und Ihre Nachricht anpassen. Laut HubSpot erhalten Informationen bei 5, 10, 15 und 40 Zielseiten mehr Gehör: Unternehmen erhalten 55 Prozent mehr Leads, wenn sie 10 bis 15 Landingpages mehr zum Thema erstellen. Unternehmen mit über 40 Landingpages generieren bis zu 12 mal so viele Leads, wie die mit 1-5 Landingpages.

Fazit

Wo es um Menschen geht, spielen viele Faktoren eine Rolle, warum sich diese für oder gegen etwas entscheiden. Das gilt insbesondere für den Personalbereich. Wenn Sie mehr Top-Talente wollen, denken Sie wie ein Vermarkter. Jede Initiative in Ihr Recruiting-Marketing sollte Ihnen auch mehr relevante Talente einbringen. Obwohl das Erstellen von Landingpages einen gewissen Aufwand verlangt, lohnt sich dieser auf Dauer! Die Anzahl qualitativ hochwertiger Bewerbungen wird sich mit ziemlicher Sicherheit erhöhen.

Vor allem aber ist eins wichtig: Bleiben Sie authentisch! In keinem Unternehmensbereich ist dies so wichtig wie im Recruiting-Bereich! Denken Sie daran, dass Sie sich mit einer Recruiting-Landingpage nicht nur bei Ihren potenziellen Bewerbern vorzustellen, sondern mit Ihnen in einen echten Dialog treten.

Beispiele für sehr gelungene Recruiting-Landingpages

Quellen:

Jana Behr

Jana Behr ist IT-Fachredakteurin, PR-Beraterin sowie Bloggerin aus Köln und beschäftigt sich leidenschaftlich gern mit allen Themen rund um IT, Telekommunikation und Digitalisierung.

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