Grounding Pages liefern Sprachmodellen strukturierte Fakten zur eigenen Marke, externe Zitationen bauen Vertrauen über Erwähnungen auf fremden Websites auf. Beide Hebel zählen, wenn eine Marke in KI-Antworten auftauchen soll. Wie stark, zeigt die Auswertung, um die es in diesem Artikel geht: Das Software-Unternehmen blinq hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 250.000 Antworten von ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity analysiert. Das überraschende Ergebnis: Rund zwei Drittel aller dort zitierten Quellen stammen von Unternehmensseiten. Die Gewichtung unterscheidet sich deutlich, je nachdem, ob ChatGPT, Gemini oder Perplexity die Antwort erstellt.

Bevor wir auf die Ergebnisse eingehen, zunächst die Grundlagen: Antworten von ChatGPT, Gemini oder Perplexity entstehen auf zwei Wegen. Entweder greift das System auf sein Trainingswissen zurück, oder es durchsucht das Web in Echtzeit und zieht passende Quellen heran. Beide Wege lassen sich beeinflussen, aber mit unterschiedlichen Mitteln.

Zwei Hebel, zwei Mechanismen: So entsteht Sichtbarkeit in KI-Antworten

Den Anfang macht die eigene Website. Dort beschreibt die sogenannte Grounding Page ein Unternehmen, eine Person oder ein Produkt in strukturierter Form: Firmierung, Gründungsjahr, Standorte, Leistungen. Gemeint ist damit eine einzelne, eigens dafür angelegte Unterseite, keine komplette Website. Sprachmodelle erhalten so eine eindeutige Faktenbasis. Das beugt einem realen Problem vor: KI-Systeme vermischen ähnlich benannte Anbieter immer wieder und schreiben einer Marke dann Leistungen, Standorte oder Bewertungen zu, die zu einem anderen Unternehmen gehören. Eine klare Faktenbasis macht solche Verwechslungen seltener.

Außerhalb der eigenen Domain wirkt der zweite Mechanismus: Erwähnungen auf Wikipedia, in Fachmedien oder auf Plattformen wie Reddit signalisieren den Systemen, dass Dritte eine Marke für glaubwürdig halten. Solche Signale beeinflussen, welche Quellen bei der Live-Suche in die Antwort einfließen.

Position eins bei Google garantiert dabei kein Zitat mehr. KI-Dienste nennen oft nur ein bis zwei Quellen, darunter nicht immer jene, die den Inhalt geliefert haben. Der Grund: Die Systeme fassen Informationen aus mehreren Seiten zu einer Antwort zusammen, verlinken am Ende aber nur wenige davon als Beleg. Wessen Inhalt einfließt und wer den Link erhält, kann dabei auseinanderfallen.

Betreiber:innen von WordPress-Websites betrifft diese Verschiebung unmittelbar, weil das System hinter rund 43 Prozent aller Websites weltweit steckt, darunter unzählige Firmenseiten und Blogs, also genau jene Unternehmensinhalte, die KI-Dienste am häufigsten zitieren. Stellen Nutzer:innen ihre Fragen zunehmend KI-Diensten statt der klassischen Suchmaschine, entscheidet die Zitierfähigkeit der eigenen Inhalte darüber, ob eine Marke in der Antwort überhaupt auftaucht. Zitierfähig ist eine Seite dann, wenn ihre Fakten eindeutig formuliert, klar strukturiert und über die Suchindizes von Google und Bing auffindbar sind. Sichtbarkeit verlagert sich damit von der klassischen Google-Ergebnisliste, den zehn blauen Links pro Suche, in den Antworttext selbst.

Was die Studiendaten über zitierte Quellen verraten

Belastbare Zahlen zu KI-Zitaten waren lange Mangelware. Inzwischen schafft die eingangs erwähnte Auswertung Klarheit. blinq hat zwischen Januar und Juni 2026 täglich rund 2.000 Prompts an ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity geschickt und 250.000 Antworten ausgewertet. Abgefragt wurden B2B- und B2C-Themen von Software über Handel bis zur Industrie, erstmals mit getrennter Auswertung pro Dienst. Methodische Grenzen bleiben, weil jede Erhebung nur die jeweils abgefragten Prompts abbildet.

Unternehmenseigene Seiten dominieren die Zitate

66,2 Prozent aller zitierten Quellen stammen von Unternehmensseiten, also von Firmenblogs, offiziellen Websites und Landingpages. Bei den einzelnen Domains führen YouTube und Reddit mit jeweils rund 15 Prozent, dahinter folgen Wikipedia und LinkedIn. Dieses Ergebnis relativiert eine verbreitete Annahme: Speziell gebaute Grounding Pages sind für Zitate keine Voraussetzung, denn die Systeme greifen längst auf gewöhnliche Firmeninhalte zu. Klar strukturierte Seiten erhöhen allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Zugriff korrekte Aussagen entstehen. Fehlt eine saubere Struktur, riskieren Marken widersprüchliche oder falsche Darstellungen in den Antworten. Auffällig bleibt zudem der Abstand zu klassischen Medien: Nachrichtenseiten stellen zwar prominente Einzeldomains, in der Summe dominieren aber Inhalte aus erster Hand. Marken kontrollieren damit einen größeren Teil ihrer Sichtbarkeit selbst, als viele annehmen.

ChatGPT, Perplexity und AI Overviews gewichten Quellen unterschiedlich

Größere Unterschiede zeigen sich zwischen den einzelnen Diensten. Bei ChatGPT führen Referenz- und Fachquellen wie Reddit, Wikipedia und LinkedIn, während YouTube dort unter den Top-Quellen fehlt. Google AI Overviews zitieren bevorzugt aus dem eigenen Netzwerk: YouTube liegt auf Platz eins, dahinter folgen Reddit und Instagram. Perplexity mischt beide Welten und ergänzt YouTube und Reddit um Fachpresse wie Handelsblatt und Chip. Statisch ist diese Gewichtung nicht: Noch im Februar 2026 spielte LinkedIn unter den Top-Quellen keine Rolle, ein halbes Jahr später gehört die Plattform bei allen drei Diensten dazu.

Dienst Bevorzugte Quellen (nach Zitierhäufigkeit)
ChatGPT Reddit, Wikipedia, Welt, LinkedIn
Google AI Overviews YouTube, Reddit, Instagram, Handelsblatt
Perplexity YouTube, Reddit, LinkedIn, Instagram

Datenbasis: blinq-Quellenanalyse, Januar bis Juni 2026

In der Praxis heißt das: Der Aufwand gehört dorthin, wo die Zielsysteme hinschauen. Zielt eine Marke auf ChatGPT-Antworten, zahlt sich ein gepflegter Wikipedia-Eintrag stärker aus als jede zusätzliche Landingpage. Bei Perplexity und AI Overviews wiegen Community-Plattformen und Videoinhalte schwerer.

Kontrolle oder Reichweite: Wann welcher Hebel den Ausschlag gibt

Beide Ansätze unterscheiden sich vor allem in einem Punkt: Kontrolle. Auf der eigenen Grounding Page bestimmt das Unternehmen jede Formulierung selbst, der Aufwand bleibt überschaubar und Änderungen greifen sofort. Der Nachweis harter Sichtbarkeitseffekte fällt dagegen dünn aus, denn unabhängige Vorher-nachher-Daten zu einzelnen Grounding Pages fehlen bislang.

Umgekehrt verhält es sich bei Erwähnungen auf Drittplattformen. Ihre Wirkung auf die Quellenauswahl ist durch die Studiendaten gut belegt. Dafür fehlt die Kontrolle: Redaktionen, Moderatoren und Community-Regeln entscheiden mit. Planbar ist das Ergebnis nicht.

Daraus ergibt sich für die praktische Umsetzung eine Reihenfolge statt eines Entweder-oder. Junge oder verwechselbare Marken bringen zuerst die eigenen Fakten in Ordnung, weil jede externe Erwähnung sonst auf wackligem Fundament steht. Etablierte Marken mit eindeutiger Datenlage investieren den Großteil ihrer Zeit in Erwähnungen auf den Plattformen, die ihre Zielsysteme bevorzugen. Am stärksten wirken beide Hebel zusammen, weil konsistente Fakten auf der eigenen Domain jeder externen Erwähnung einen festen Bezugspunkt geben. Fällt die Einordnung der eigenen Ausgangslage schwer, schafft eine SEO Beratung Klarheit über Reihenfolge und Prioritäten.

Grounding Page umsetzen: Aufbau, Inhalte, Verlinkung

Eine Grounding Page ist eine einzelne Unterseite Ihrer Website, kein zweiter Webauftritt. Sie ersetzt auch die bestehende Über-uns-Seite nicht, sondern ergänzt sie: Während die Über-uns-Seite Emotionen wecken und überzeugen soll, bleibt die Grounding Page neutral und beschreibend. Werbesprache hat dort nichts verloren.

Das gehört auf eine Grounding Page

  • vollständige Firmierung, Rechtsform und Gründungsjahr
  • Standorte und Leistungsspektrum
  • Namen der Geschäftsführung
  • Links zu verifizierten Profilen, etwa auf LinkedIn oder in Branchenverzeichnissen
  • ein sichtbarer Vermerk mit dem Datum, an dem Sie die Angaben zuletzt geprüft haben

Das sollten Sie vermeiden

  • Superlative und austauschbare Werbeversprechen, weil sie die Faktenbasis verwässern, statt sie zu stärken
  • Auszeichnungen ohne Beleg
  • Inhalte mit Verfallsdatum wie Aktionspreise oder Stellenausschreibungen, weil veraltete Angaben die Glaubwürdigkeit der gesamten Seite beschädigen

Technisch zählt Schlichtheit. Sauberes HTML mit klarer Überschriftenhierarchie liest sich für Crawler leichter als verschachtelte Page-Builder-Konstrukte. In WordPress genügt dafür eine schlanke Seite im Standard-Template, ergänzt um strukturierte Daten nach Schema.org. Dahinter steht ein standardisiertes Vokabular, mit dem sich Fakten wie Name, Adresse oder Gründungsjahr im Quellcode maschinenlesbar auszeichnen lassen, für Unternehmen üblicherweise als Organization-Markup. Viele SEO-Plugins erledigen diese Auszeichnung automatisch. Verlinkt wird die Seite an einer Stelle, die jeder Bot beim Crawlen passiert: im Footer oder im Impressum. Für Freiberufler:innen und Einzelunternehmen übernimmt eine Personenseite mit denselben Grundangaben diese Funktion.

Den größten Schaden richten Widersprüche an. Weichen Angaben auf der Grounding Page von Impressum, LinkedIn-Profil oder Branchenverzeichnissen ab, verliert die Seite ihre Eindeutigkeit. Vor der Veröffentlichung lohnt deshalb ein Abgleich aller bestehenden Angaben über sämtliche Kanäle hinweg.

Externe Erwähnungen aufbauen ohne großes PR-Budget

Wirksame Erwähnungen entstehen auch ohne Agenturbudget, verlangen aber Kontinuität und Geduld. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

  1. Wikipedia-Eintrag prüfen oder bei erfüllten Relevanzkriterien anlegen
  2. Branchenverzeichnisse, Fachportale und Review-Plattformen mit konsistenten Angaben füllen
  3. Präsenz auf Listen- und Vergleichsseiten aufbauen
  4. Community-Plattformen und Gastbeiträge in Fachmedien nutzen
  5. Fortschritt mit regelmäßigen Testprompts messen

Zuerst die Bestandsaufnahme: Existiert bereits ein Wikipedia-Eintrag, gehören Fakten, Belege und Weblinks dort auf den Prüfstand. Neue Einträge lohnen nur, wenn die Relevanzkriterien erfüllt sind. Mit diesen Kriterien legt Wikipedia fest, welche Unternehmen einen eigenen Artikel erhalten, etwa ab einer bestimmten Größe, Marktbedeutung oder anhaltender Berichterstattung in überregionalen Medien. Sonst droht die Löschung samt Zeitverlust.

Nach der Enzyklopädie folgen Branchenverzeichnisse und Fachportale, denn dort kommt es auf konsistente Angaben zu Name, Leistung und Standort an. Review-Plattformen wie OMR Reviews im B2B oder Check24 im B2C tauchen bei Anbieter-Fragen auffällig häufig in den Antworten auf. Achten Sie darauf, dass Schreibweise und Leistungsbeschreibung überall exakt übereinstimmen, weil abweichende Angaben die eindeutige Zuordnung zur Marke schwächen.

Eine Beobachtung aus der SEO-Praxis wertet diesen Weg zusätzlich auf. Testabfragen in den KI-Diensten zeigen: Suchen Nutzer:innen nach den besten Anbietern einer Kategorie, stützen sich ChatGPT und Co. zu einem großen Teil auf Listen- und Vergleichsseiten. Gerade bei solchen kommerziellen Prompts entscheidet die Präsenz in Rankings und Bestenlisten mit darüber, ob eine Marke in der Antwort auftaucht. Fehlt der Eintrag dort, fehlt den Diensten die Basis für eine Empfehlung. Auch die Studiendaten aus 2026 weisen in dieselbe Richtung und führen Listicle-Formate, also Artikel in Listenform wie die zehn besten Anbieter einer Kategorie, unter den sichtbarsten Inhalten.

Community-Plattformen verlangen das größte Fingerspitzengefühl. Auf Reddit oder in Fachforen funktionieren ehrliche, hilfreiche Beiträge unter echtem Namen, plumpe Eigenwerbung fliegt dagegen auf und schadet der Marke. Fachmedien öffnen über Gastbeiträge einen weiteren Kanal: Redaktionen suchen laufend fundierte Inhalte, und jede Veröffentlichung erzeugt eine zitierfähige Drittquelle. Themenvorschläge mit eigener Datengrundlage oder Praxiserfahrung erhöhen dabei die Annahmequote spürbar.

Messbar wird der Fortschritt beim Aufbau solcher Erwähnungen über regelmäßige Testprompts in den Zielsystemen. Notieren Sie monatlich, ob und wie die eigene Marke in Antworten auf typische Kundenfragen auftaucht. Bleiben Zitate über Monate aus, lohnt der Blick auf die zitierte Konkurrenz in denselben Antworten. Daraus lesen Sie ab, welche Plattformen im eigenen Themenfeld den Ausschlag geben.

Fazit: Erst die Faktenbasis, dann die Reichweite

Grounding Pages und externe Zitationen konkurrieren nicht, sie bauen aufeinander auf. Die Studiendaten zeigen, dass KI-Dienste zu zwei Dritteln Unternehmensinhalte zitieren. Einen großen Teil der eigenen KI-Sichtbarkeit steuern Marken also selbst: mit einer klar strukturierten Faktenseite auf der eigenen Domain und konsistenten Angaben über alle Kanäle hinweg. Externe Erwähnungen auf Wikipedia, Review-Plattformen und in Fachmedien entfalten ihre belegte Wirkung erst auf diesem Fundament. Wer beide Hebel kombiniert und den Fortschritt mit regelmäßigen Testprompts misst, verankert die eigene Marke Schritt für Schritt in den Antworten von ChatGPT, Gemini und Perplexity.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheidet sich eine Grounding Page von der Datei llms.txt?

Die llms.txt ist ein junger Vorschlag aus der SEO-Szene: eine reine Textdatei im Stammverzeichnis der Website, die KI-Crawlern Links zu den zentralen Seiten auflistet. Sichtbaren Inhalt für Menschen bietet sie nicht. Die Grounding Page ist dagegen eine normale, indexierbare HTML-Seite mit vollständigen Fakten zur Marke. Beide Formate ergänzen sich und schließen einander nicht aus.

Wie lässt sich KI-Sichtbarkeit messen?

Spezialisierte GEO-Tools fragen Zielsysteme regelmäßig mit definierten Prompts ab und protokollieren Erwähnungen samt Quellen. Kleinere Websites starten günstiger mit einem manuellen Prompt-Set aus zehn bis zwanzig typischen Kundenfragen. Entscheidend ist die Wiederholung im festen Rhythmus, weil einzelne Abfragen wegen schwankender Antworten wenig aussagen. Zusätzlich zeigen Serverlogs, ob Crawler wie GPTBot oder PerplexityBot die eigenen Seiten abrufen.

Wie schnell führt eine Maßnahme zu Zitaten?

Verlässliche Fristen existieren nicht, weil die Quellenauswahl der Systeme intransparent bleibt. Retrieval-basierte Dienste, also Systeme, die für ihre Antwort live das Web durchsuchen, statt nur auf ihr Trainingswissen zurückzugreifen, können frisch indexierte Inhalte binnen weniger Wochen aufgreifen, sofern die Seiten über Bing beziehungsweise Google auffindbar sind. Neu veröffentlichte Seiten reichen Sie deshalb am besten direkt über die Google Search Console und die Bing Webmaster Tools ein. Änderungen am Trainingswissen der Modelle dauern dagegen Monate bis Jahre. Realistisch ist ein Planungshorizont von mehreren Monaten mit laufender Messung.

Ersetzt die Optimierung für KI-Systeme das klassische SEO?

Nein, beides greift ineinander. ChatGPT Search stützt sich auf den Bing-Index, Google AI Overviews bauen auf dem regulären Google-Index auf. Seiten ohne solide Indexierung und Crawlbarkeit erreichen folglich auch keine KI-Antworten. Technisches SEO bleibt damit die Grundlage, auf der Grounding Pages und externe Zitationen erst wirken können.

Titelmotiv: Photo by Zulfugar Karimov on Unsplash

Philipp Nessmann

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