Schon mal was von TikTok gehört? Wenn Sie über 18 sind – wahrscheinlich nicht. Denn TikTok ist seit rund einem Jahr ein angesagter Trend in der Jugend-Social-Media-Szene. Was Teenies an diesem Video-Netzwerk so cool finden, warum Eltern gar nicht so heiß darauf sind und ob sich mit dem hotten Network Business machen lässt, habe ich hier zusammengestellt.

Social-Media-Netzwerke gibt es wie Sand am Meer. Nur wenige schaffen es, auf Dauer erfolgreich zu sein. TikTok hat aus mehreren Gründen das Zeug dazu: Die chinesische App, die dort „DouYin“ heißt, basiert auf einem erfolgreichen Vorläufer: auf musical.ly“. Nachdem das vormals erfolgreiche Musikvideo-Netzwerk gekauft worden ist, wurde es in TikTok integriert.

TikTok kommt gefühlt schon wieder in die Jahre

Im Jahr 2018 gehörte TikTok zu den meist downgeloadeten und den sich am schnellsten verbreitenden Apps. Sie verzeichnete im Juni 2018 täglich 150 Millionen aktive Nutzer und 500 Millionen Nutzer im Monat. In Deutschland wurde die App 2018 über 8,8 Millionen Mal runtergeladen. Kein Wunder, dass Experten der App weiterhin eine glänzende Zukunft voraussagen, vor allem bei der sehr jungen Zielgruppe von zehn bis 13 Jahren. Der Grund: Gerade in diesem Alter suchen Menschen nach ihrer eigenen Identität, probieren sich aus, messen sich mit anderen und streben vor allem nach Anerkennung. TikTok bietet die perfekte Bühne, um sich in Szene zu setzen und direktes Feedback zu erhalten. Außerdem macht die App einfach Spaß!

Allerdings: Nach einem Gespräch mit meinem Teenie-Sohn scheint TikTok bei den ganz Jungen schon wieder etwas an Glanz zu verlieren. Das bestätigt auch ein Artikel in der ZEIT, der darüber berichtet, dass die beiden bekanntesten Influencerinnen auf TikTok, die beiden schwäbischen Zwillinge Lisa und Lena (30 Millionen Follower) ihren Account gelöscht haben, um auf „erwachseneren“ Netzwerken weiterzumachen. Bestätigt wird dieser Trend auch dadurch, dass TikTok neuerdings von Sportvereinen, wie zum Beispiel dem FC Bayern, dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund genutzt werden, die bekanntlich viel ältere Zielgruppen haben.

Mit Playback fing alles an

So richtig erfolgreich ist TikTok im asiatischen Raum. Die App hat ihre meisten Fans im Bereich Playback-Video, was sie aber nicht hinreichend beschreibt. Sie ist, wie Thomas Hutter feststellt, eher eine Mischung aus Vine, Snapchat, Instagram und Karaoke. In diesem Bereich war in Deutschland vor allem Musical.ly, solange es die App gab, der absolute Hit. Das Prinzip ist ähnlich: Nutzer der App erstellen ein kurzes Playback-Musikvideo von 15 Sekunden Länge. Vereinfacht gesagt, ist TikTok das Instagram für Videos. Denn die Videos lassen sich durch AR-Filter, Zeitraffer und anderen visuellen Effekten individualisieren. Das Format: 9:16 im Loop abgespielt. Die teilweise künstlerischen Bewegtbilder werden mit Freunden oder öffentlich geteilt.

TikTok kann noch viel mehr

TikTok wäre aber nicht so erfolgreich, wenn nur einfach Videos gepostet würden. Das Besondere an der App sind unterschiedliche Interaktionsformate, wie zum Beispiel Challenges, bei der andere User aufgefordert werden, ein Video nachzustellen, Duette, bei denen User beim anderen Video „mitspielen“ oder React Videos, bei denen User in ein bestehendes Video die eigenen Reaktion einbauen. Gerade diese kreativen Interaktionsmöglichkeiten begründen den Hype der App.

Kreative Unterstützung erhalten die Videokünstler durch die umfangreiche Musikbibliothek auf Basis von Apple Music, die sie unter anderem für „LipSync-Videos nutzen. Aber auch Comedy – oder Film-O-Töne lassen sich kreativ neu inszenieren.

So funktioniert das Video-Netzwerk!

Anders als bei Instagram kommt es bei TikTok nicht auf Perfektion, sondern auf schnelle Unterhaltung an. Deshalb ist die Erstellung eines Videos denkbar einfach:

  • Sie suchen sich aus der gut sortierten Musikliste einen Song aus, zu dem Sie ein Musikvideo erstellen möchten.
  • Sie nehmen mit Ihrer Handykamera in der App ein 15-sekündiges Video auf.
  • Anschließend können Sie das Video noch bearbeiten und mit Filtern und Effekten versehen.
  • Zuletzt teilen Sie es unter Freunden oder öffentlich.
  • Ihre Follower oder Fremde liken oder kommentieren Ihr Video. Dabei ist der TikTok-Algorithmus im Gegensatz zum Facebook-Algorithmus so angelegt, dass neue User gefunden werden.

Wer nur Videos anschauen möchte, braucht sich nicht anzumelden. Wer selbst kreativ werden möchte, muss ein Profil anlegen.

Genauso sicher oder unsicher wie andere Netzwerke

Wie oben beschrieben, nutzen die App bislang vor allem 10- bis 13-Jährige und das, obwohl sie erst ab 13 Jahren erlaubt ist. Allerdings checkt der Betreiber Bytedance dies nicht nach. Es gibt zwar eine durchgängige Prüfung der Inhalte, jedoch wird das Alter nicht verifiziert. Die User geben es selbst bei der Anmeldung ein. Deshalb sollten sich Eltern nicht darauf verlassen und mit ihren Kindern detailliert besprechen, was passieren kann, wenn diese zu viel von sich preisgeben.

Allerdings: Insgesamt ist die Datensicherheit vergleichbar mit anderen Apps. Die Anmeldung verläuft über die E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder über andere Social-Media-Accounts.

Zwei Verdienstquellen

Wie verdient TikTok Geld? Zum einen können User Anzeigen in Form von 15-Sekunden-Videos schalten. Sie unterscheiden sich kaum von den anderen Videos. Es gibt zudem ein virtuelles Belohnungssystem. Um andere Videos hervorgehoben zu liken, können Emojis gekauft und unter den Lieblings-Videos gepostet werden. Sie kosten von 50 Cent bis zu 60 Euro. Je mehr Emojis ein TikToker sammelt, desto bekannter wird er.

Interessant, um die jugendliche Zielgruppe zu erreichen

Bislang ist TikTok in Deutschland noch nicht so eingeschlagen wie im asiatischen Raum. Allerdings ist das Netzwerk sowohl von den Gestaltungsmöglichkeiten als auch von der jugendlichen Zielgruppe her sehr interessant. Unternehmens-Accounts in dem Sinne gibt es nicht, allerdings können Sie ein Pro-Konto einrichten, mit dem Sie Statistiken abrufen können.

Coole Aktion von Travelbook

Eine erfolgreiche TikTok-Kampagne ist die von Travelbook. Zwei Wochen lang hat TRAVELBOOK Influencer nach ihren persönlichen Lieblingsorten gefragt. Es wurden Orte von Köln bis zu den Malediven präsentiert. Insgesamt hatte der Hashtag #lieblingsorte mehr als elf Millionen Aufrufe. Auch andere Marken wie Burger King, Universal Studios, Nike haben schon erfolgreich TikTok-Kampagnen umgesetzt.

Wie einflussreich ist TikTok in der Musikbranche?

Im Musik-Bereich gewinnt Tiktok immer mehr an Impact: „Old Town Road“ von Lil Nas X hat in den USA einen Charts-Rekord aufgestellt: Mit 17 Wochen an der Spitze der Single-Charts schlägt der Song Luis Fonsis Hit „Despacito“ aus dem Jahr 2017 und den 90er-Jahre-Ohrwurm „One Sweet Day“ von Mariah Carey und Boyz II Men, die je 16 Wochen die Nummer eins waren. Der Rap-Country-Crossover-Song ging Ende 2018 dank einer TikTok-Challenge viral gegangen. Denn die musikalische Untermalung ist nach wie vor die Grundlage der meisten Videos. Durch die hundertfache Nutzung der immer gleichen Songs werden diese für TikTok-User schnell zum Ohrwurm.

Fazit

TikTok bleibt fürs erste einmal spannend. Mal sehen, wie lange sich die App bei den Jugendlichen noch hält. Üblicherweise sind sie schnell weg sind, wenn die Eltern sich für „ihr“ Social-Network interessieren. Die Features sind allemal individuell und bieten im YouTube-Zeitalter spannende Interaktionsformate.

Eine Übersicht angesagter TikTok Videos finden Sie hier

Quelle:

 

 

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Jana Behr

Jana Behr ist IT-Fachredakteurin, PR-Beraterin sowie Bloggerin aus Köln und beschäftigt sich leidenschaftlich gern mit allen Themen rund um IT, Telekommunikation und Digitalisierung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die von Ihnen hier erhobenen Daten werden von der Host Europe GmbH zur Veröffentlichung Ihres Beitrags in diesem Blog verarbeitet. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte folgendem Link: www.hosteurope.de/AGB/Datenschutzerklaerung/