Die Digitalisierung von Arbeit ist in vollem Gange, sie betrifft alle Branchen, Unternehmen und Jobs. Wir machen große Fortschritte in Deutschland, doch noch klaffen Wunsch und Wirklichkeit in vielen Bereichen auseinander. Der Digital Working Report 2016 offenbart fünf Spannungsfelder, die Unternehmen und Gesellschaft im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung von Arbeit lösen müssen. Der Report vereint Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Host Europe und YouGov unter 1.000 Büroangestellten in Deutschland mit den Visionen von 13 Experten aus ganz unterschiedlichen beruflichen Perspektiven. Damit gibt er den Anstoß für eine Debatte, wie wir die Zukunft der Arbeit aktiv gestalten wollen. Den Report finden Sie zum Download auf der Seite www.digitalesarbeiten.de.

Teaser - Microsite digitalesarbeiten.de

Spannungsfeld 1: Alles wird digital, aber jeder Zweite ist noch nicht bereit dafür

Konsens unter Experten ist, dass sich Arbeit durch zunehmende Digitalisierung verändern wird. Doch in der Digital-Working-Studie von Host Europe gibt fast die Hälfte der Befragten an, dass sie einige Aufgaben schlichtweg nicht digital erledigen will. Das ist übrigens keine Frage des Alters: Die Zustimmung zu dieser Aussage liegt in allen Altersgruppen nah beieinander zwischen 43 und 49 Prozent, mit der höchsten Quote in der Gruppe der 18-24-Jährigen. Für Führungskräfte sollte es daher zur Priorität werden, Digitalisierung so voranzutreiben, dass Mitarbeiter gerne digital arbeiten. Eine Kernaufgabe von Geschäftsführung und IT wird daher künftig sein, etwas zu schaffen, das ich „Digital Convenience“ nenne. Grundlage dafür ist eine klar definierte Digitalisierungsstrategie mit gut durchdachter Auswahl der eingesetzten Technologien. Es muss klare Regeln geben, wie die Digitalisierung von Prozessen in Teams zu gestalten ist, aber auch Spielraum, um auf individuelle Präferenzen einzugehen.

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Dr. Claus Boyens bei seiner Keynote „Digitisation of work: 5 conflicts to be resolved” auf der Zukunftskonferenz 48forward

Spannungsfeld 2: Digitalkompetenz wird gebraucht, aber nicht gefördert

Journalistin Ilse Mohr beleuchtet im Digital Working Report, dass zwar ein Großteil der Unternehmen in einer Befragung des Bitkom davon ausgeht, dass die Digitalkompetenz der Beschäftigten in Zukunft genauso wichtig wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. Doch 60 Prozent der Unternehmen bilden Mitarbeiter in Digitalkompetenzen nicht weiter. Auch der aktuelle Digital-Index 2016 der Initiative D21 zeichnet nicht gerade ein glorreiches Bild zur Digitalkompetenz der deutschen Bevölkerung. Mit dem Wert von 51 von 100 Punkten könne Deutschland in den Worten der Autoren „gerade so mit den Entwicklungen mithalten.“ Die deutsche Wirtschaft steuert also auf das Dilemma zu, dass künftig Kompetenzen gebraucht werden, die nirgends gezielt entwickelt und gefördert werden. Die Entwicklung von Digitalkompetenz gehört in den Schulunterricht, beispielsweise durch das Erlernen von Programmiersprachen und das Arbeiten mit digitalen Medien in Projekten.

Spannungsfeld 3: Arbeitnehmer wünschen größere Flexibilität, doch Unternehmen bieten nicht die technischen Möglichkeiten dafür

Ein Teil der insbesondere jüngeren Generationen kann sich mit 9-to-5-Bürojobs immer weniger anfreunden und wünscht sich flexiblere Arbeitsmodelle. Doch Arbeitsplätze in Unternehmen verfügen mehrheitlich nicht einmal über die Technik, dass Mitarbeiter ortsungebunden arbeiten können. Die Digital-Working-Studie offenbart, dass es an einem Standardbüroarbeitsplatz noch sehr viel häufiger ein Faxgerät gibt als etwa Laptops, Smartphones, Tablets oder Equipment für Videokonferenzen. Hier liegt der Ball bei den Unternehmen, ihre Teams so auszustatten, dass sie interne Prozesse digitalisieren und effizienter gestalten können.

Spannungsfeld 4: Zunehmende Digitalisierung bei vernachlässigter Sicherheit wird zum Risiko

Unternehmen treiben die Digitalisierung von Geschäftsprozessen voran. Um Wissenstransfer, Entscheidungsfreude und Innovationen zu fördern setzen sie verstärkt auf Social Collaboration, den Einsatz von Tools und Technologien für eine vernetzte Zusammenarbeit in Teams. Je digitaler Unternehmen arbeiten, desto größere Bedeutung kommt der IT-Sicherheit zu. Eines der größten Sicherheitsrisiken stellt die mangelnde Sensibilität der Mitarbeiter dar: Ein Drittel der in der Digital-Working-Studie Befragten trifft gar keine Sicherheitsvorkehrungen wie Viren- oder Passwortschutz am Arbeitsplatz. Zwei Drittel sichern den Zugang zu den mobilen Endgeräten, die sie beruflich nutzen, nicht einmal mit einem Passwort. Wenn Mitarbeiter zunehmend mobile Arbeitsplätze einfordern, verschiedene – auch private – mobile Geräte zum Einsatz kommen, steigt das Risiko für Schatten-IT. Unternehmen haben hier enormen Nachholbedarf. Sie müssen Mitarbeiter stärker für IT-Sicherheit sensibilisieren und sicheren Zugang zu mobilem Arbeiten schaffen.

Spannungsfeld 5: Mensch vs. Maschine

Der Arbeitsalltag wird sich nicht nur durch Digitalisierung verändern, sondern auch durch zunehmende Automatisierung und Unterstützung kognitiver Systeme. Stefan Pfeiffer, Marketing Collaboration & Workforce Solutions bei IBM, ist überzeugt, dass kognitive Systeme wie IBM Watson zu echten persönlichen Assistenten werden und auch durchaus komplexe Routinetätigkeiten übernehmen können. Bei der Frage danach, wie wir künftig arbeiten, geht es auch um das Zusammenspiel mit Maschinen. Dass Mitarbeiter Digitalisierung nicht als Kontrollverlust empfinden, ist eine Aufgabe von Führung in Zeiten des digitalen Wandels. Aber auch jeder Einzelne muss beweglich bleiben, Kompetenzen verlagern und mitdenken, wie sich seine Arbeit verändert. Ich glaube, dass künftig von allen Seiten mehr Proaktivität und Gestaltungswille gefordert sein wird.

Panel zur Zukunft der Arbeit mit Dr. Claus Boyens von Host Europe, Stefan Pfeiffer von IBM, Hanna Drabon von Comspace und Marina Treude von Microsoft auf der 48forward

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Den vollständigen Digital Working Report 2016 mit den Ergebnissen der Digital-Working-Studie von Host Europe und YouGov können Sie unter http://digitalesarbeiten.de herunterladen.

Sie haben Anregungen oder Fragen zum Thema Digitalisierung von Arbeit? Schicken Sie uns einen Kommentar. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Benjamin Schmitz

Benjamin Schmitz

Benjamin Schmitz ist selbstständiger Systemadministrator und passionierter Webdesigner. Im Host Europe Blog schreibt er über Webanwendungen und gibt Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.
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